Konzerte & Party

Im Magnet: 206

206

Ihre Unmittelbarkeit stößt vor den Kopf, sie machen bei aller Brachialität nachdenklich, bäumen sich trotzig auf gegen eine Gegenwart, die ihnen nicht passt. 206 heißt der Wachrüttler aus Leipzig, eine Band, die an Fehlfarben, Abwärts oder die Goldenen Zitronen erinnert, aber durchaus zur eigenen Sprache gefunden hat. Die heisere Stimme von Völker, dem Texter und Sänger, droht sich dabei zu überschlagen, so viel Wut hat sich angestaut. Eindringlich und atemlos singt das drahtige Energiebündel von den Schwierigkeiten der Identitätsfindung und des Erwachsenwerdens, von Alltagsbeobachtungen im Hier und Jetzt. Dabei fallen Sätze wie „Was bleibt mir anderes übrig, als mit meiner Armut anzugeben“ oder „Im richtigen Licht findest du das Gold auf meiner Zunge“. Die Wut überrollt die minimalistisch gehaltene Musik aus kantigen Riffs und Stakkato-Schlagzeug und gibt ihr eine fordernde Intensität, wie man sie sonst von der Berliner Band Mutter gewohnt ist. Auch auf der Bühne ähnelt der junge Völker Mutters Max Müller. Es hat etwas Rauschhaftes, wenn sich der 23-Jährige mit seinen Worten bis an den Rand der Unkontrolliertheit treibt. Gute Voraussetzungen für eine Band, die mit ihrer radikalen Reflexion das Zeug hat, den verschlafenen Diskurspop wieder anzukurbeln.

Text: Simone Jung

206, Magnet Club, Sa 2.4., 20 Uhr, VVK: 5 Euro

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