Konzerte & Party

„Immer da wo du bist bin ich nie“ von Element Of Crime

Element Of Crime

„Alle vier Minuten kommt die U-Bahn hier vorbei, und alle drei­ein­halb Minuten kommt ein neues Bier„, das sangen Element of Crime im Jahr 2001. Alle vier Jahre erscheint eine neue Platte, alle vier Jahre steige ich in die U-Bahn, um mich mit der Band zu treffen, ein bisschen zu plaudern. Ein neues Album erscheint: „Immer da wo du bist bin ich nie„. Der Titelsong ist ein tolles Lied mit groben Gitarren und witziger „These Boots Are Made For Walking“-Reminiszenz. An einem Tisch in einer Ecknische des Cafй Einstein sitzen Richard Pappik und Sven Regener, alle paar Minuten kommt ein neuer Cappuccino, alle halbe Stunde kommt ein neuer Interviewer.
„Vier Tage Interviews haben wir schon hinter uns“, sagt Richard, der Drummer. Er sieht ein biss­chen bleich aus. „Aber das ist schon okay“, sagt Richard, „das macht man ja nur alle vier Jahre, wenn mal wieder eine neue Platte erscheint, dann macht man das auch gern.“
Doch was soll man sie nun fragen? Soll man sich ein weiteres Mal darüber unterhalten, dass Ele­ment of Crime nun schon fast 25 Jahre existieren? Dass sie zwölf Studio-Alben rausgebracht haben? Und ihre zweite Platte von John Cale produziert wurde? Dass sie damals noch Englisch gesungen haben? Und sich irgendwann für deutsche Texte entschieden haben? Dass die ehemalige Under­ground-Club-Band 1993 mit dem Album „Weißes Papier“ plötzlich ihren großen Durchbruch erlebte? Oder warum die Lieder oft so bittersüß melancholisch sind? Darüber haben wir schon vor vier Jahren gesprochen und vor acht Jahren. Die Geschichten kennt man inzwischen. Soll man fragen, ob sie von Lee Hazlewood beeinflusst sind? Oder von Calexico, wegen der Mariachi-Trompeten? Svens Antwort darauf weiß man auch, seit vier Jahren mindestens: „Uns gibt’s doch schon viel länger als Calexico!“
Sven bestellt noch einen Cappuccino, gießt Mineralwasser nach. „Deine Brillen werden immer dicker, Sven. Die breiten Bügel noch breiter, die schwarze Fassung noch schwärzer. Woher kommt das Faible für diese massiven Dinger?“ – „Eine Brille muss stabil sein“, sagt er, „die muss was aushalten können! Und wenn du Kinder hast, brauchst du eine robus­te Brille!“ Aha. Ich frage nicht weiter, weil ich weiß, dass Sven Regener prinzipiell nicht über sein Privatleben spricht – Familie, Kinder, so was.
Wie glamourös sind Element of Crime eigentlich inzwischen? Vor Jahren haben wir über die erbärmlichen Übungsräume früherer Zeiten gesprochen, wo es muffig war und im Winter eiskalt ohne Heizung. Diese Zeiten sind ja wohl längst vorbei. „Da solltest du mal unseren jetzigen Übungsraum sehen!“, schallt es mir unisono entgegen und Sven solo: „Schlimm ist der, einfach nur schlimm!“
Dabei ist der Übungsraum immens wichtig für Element of Crime. Nach wie vor entstehen alle Songs im Proberaum. Melodien, Instrumentierungen, Arrangements, alles in Gemeinschaftsarbeit. „Ich glaube, das ist auch so ein Filter“, sagt Sven, „dass die Band auf dem Teppich bleibt und nicht leichtsinnig wird. Dass man überprüft, inwieweit das funktioniert, was man da macht. Wenn das im Übungsraum nicht besteht, wird’s auch im Studio nichts!“
So arbeiten Element of Crime seit ihren Anfangstagen – nur dass es inzwischen entspannter läuft, dass sie sich mehr Zeit lassen. Mit dem Songschreiben und den Plattenaufnahmen.
2008 haben sie die Musik gemacht für Leander Haußmanns Film „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe„. Und weil sie gerade so drin waren im Songschreiben, haben sie sich gesagt: Okay, machen wir gleich weiter. „Weil die neue Platte nicht vor Herbst 2009 erscheinen sollte, hatten wir plötzlich über ein Jahr Zeit, das Album fertig zu machen.“ Aber kann man sich nicht auch verzetteln, wenn man zu viel Zeit hat? Arbeitet man nicht manchmal konzentrierter unter Druck?

Lesen Sie den vollständigen Artikel in tip 20/09 auf den Seiten 70-71

Text: H.P. Daniels

Element of Crime, CD: „Immer da wo du bist bin ich nie“, (Polydor) erscheint am Freitag, den 18. September

Konzert: Arena, 7.2.2010, 19 Uhr, VVK: ab 27 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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