Konzerte & Party

Interview: Komponist Ennio Morricone

Maestro, im November sind Sie 85 Jahre alt geworden. Wie haben Sie den Tag gefeiert?
Ich habe ihn damit zugebracht, mich vor den Leuten zu verstecken!

Fühlen Sie sich zu alt für eine Party?
Ich fühle mich höchstens wie 60! Es ist schrecklich, dem Tod immer näherzukommen. Ich habe noch so viel vor …

Was denn zum Beispiel?
Ich will noch besser in meinem Beruf werden und die Musik weiter erforschen. Es ist mir sehr wichtig, dass die Leute verstehen, wie viel Anstrengung ich in die Kompositionen investiere, wie schwierig das alles ist. Natürlich darf man das den Melodien nie anhören.

Was wünschen Sie sich noch vom Leben?
Das wichtigste Geschenk ist natürlich, gesund zu bleiben. Und für meine Söhne und meine Tochter würde ich mir wünschen, dass sie gute Arbeit finden. Denn drei von ihnen arbeiten momentan überhaupt nicht.

Wegen der italienischen Schuldenkrise?
Nein, zwei von ihnen leben in den Vereinigten Staaten. Einer hat keine Green Card, also kann er nicht arbeiten. Der andere hat eine, aber er arbeitet nur wenig …

Ihre Söhne sind dort, wo Sie selbst niemals hinwollten!
Das stimmt. Mir haben sie in Hollywood sogar eine Villa angeboten, damit ich zu ihnen ziehe und für sie komponiere. Aber ich habe nicht im Traum daran gedacht, mich dort niederzulassen. Ich bin Römer durch und durch und liebe meine Stadt.

Wie leben Sie denn heute?
Ich bewohne in Rom die obersten drei Stockwerke eines Hauses in der Innenstadt. In der Wohnung lebte früher Sophia Loren, und sie hat einen wunderschönen Dachgarten. Dort befindet sich auch der Raum, in dem ich alles komponiere. Nur ich habe Zugang dazu. Denn ich habe meine ganz eigene Ordnung, da kann ich niemand anderen dulden.

Hat der Ehren-Oscar, den Sie 2008 auf Drängen von Robert De Niro erhielten, irgendetwas in Ihrem Leben verändert?
Absolut nichts.

In den letzten Jahren hat Ihre Italowestern-Musik einen erneuten Popularitätsschub erfahren: Quentin Tarantino hat Ihre Musik in Filmen wie „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“ eingesetzt.
Er ist ein prima Regisseur und hat das auf gute Weise gemacht. Was mich doch etwas überrascht hat, denn diese Kompositionen sind aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgelöst worden. Sie sind eigentlich für andere Filme geschrieben worden und ihnen liegt dadurch auch eine andere Idee zugrunde.

Die Heavy-Metal-Band Metallica geht seit über 30 Jahren zu Ihrem Stück „Ecstasy Of Gold“ auf die Bühne. Viele Rockbands bekunden, wie sehr sie vom Morricone-Sound beeinflusst sind. Gefällt es Ihnen, von der Popkultur vereinnahmt zu werden?
Das ist ok. Viele von denen haben mich zum Essen eingeladen. Ich weiß darüber also Bescheid. Dass sie mit meiner Musik etwas anfangen können, liegt wohl an der Simplizität der von mir gewählten Akkorde und der Gefälligkeit der Stücke. Man kann sie gut auf der Gitarre reproduzieren. Vermutlich fühlen sich Rockbands davon angesprochen.

Wer von denen hat Sie denn zum Dinner eingeladen?
Keine Ahnung, ich kann mir die Namen solcher Bands nie merken!

Gestern fing der Taxifahrer sofort an, die Melodie von „Zwei glorreiche Halunken“ zu summen, als ich erzählte, dass ich Sie treffe. Passiert Ihnen so was auch?
Nicht so häufig, denn auf der Straße erkennen mich die Leute meist nicht. Aber neulich hat sich ein Freund in Rom einen Spaß mit mir gemacht: Er ging auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig und ich hatte ihn nicht gesehen. Er fing daraufhin an, die Melodie aus besagtem Film zu pfeifen. (pfeift die Melodie) Reflexartig drehte ich mich um, um nachzuschauen, was da los ist. Ihn hat das sehr amüsiert.

Wie kamen Sie damals auf dieses musikalische Thema?
Vielleicht merken es die meisten Menschen nicht, aber die Melodie ist nichts anderes als Kojote-Geheule in Musik übertragen. (heult wie ein Kojote) Genau das habe ich gemacht!

Dem dafür etablierten Begriff „Spaghetti Western“ konnten Sie aber nie etwas abgewinnen.
Nein, denn wir sind hier nicht im Schnell-Restaurant. Nennen Sie es doch bitte Italo-Western.

Aber Spaghetti mögen Sie ansonsten?
Ich bin absoluter Pasta-Fan!

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