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Konzerte & Party

„Unser Roter Faden scheint vordergründig eher als Knäuel.“ Andreas Bührer

Interview mit Andreas Bührer

tip Hast du einen Vogel? Oder warum Amselcom?
Andreas Bührer Nein ich habe keinen Vogel. (lacht) Die Amsel ist für mich und Tanja (Mitbegründerin des Labels) deshalb besonders, weil sie frei und wild und ihre schlichte Eleganz perfekt ist. Abgesehen davon ist die Amsel bei uns ein Motiv. Du kannst zum Beispiel eine Amsel sein und „rumamseln“. Man kann „die Amsel rauslassen“ und man kann sich köstlich „veramseln“. Amselcom ist ein Kunstwort und steht für die Vereinigung von Dingen, die auf den ersten Blick nicht zusammen passen.

tip Wie klingt der Amselcom Sound?
Andreas Bührer Schwer in Worte zu fassen. Ich erkenne zwar ein Amsel Tune sofort, wenn ich ihn höre, aber eine Formel dafür gibt es nicht. Das Typische bei uns ist gerade, dass nichts typisch ist. Jedes Release ist ein kleiner Schock und eine große Überraschung. Die musikalische Offenheit unserer Fans soll immer neu provoziert werden. Unser Roter Faden scheint vordergründig eher als Knäuel. Jedes Amselcom Release ist etwas anders als alles zuvor Dagewesene und trotzdem passt es in die Kette der Veröffentlichungen.

tip Was unterscheidet Amselcom von den anderen Berliner Labels?
Andreas Bührer Amselcom ist zwar zu 100% in Berlin entstanden aber nicht wirklich „Berlintypisch“. Das typische Berliner Musikkollektiv besteht ja gerne aus zehn Freunden, die alle mehr oder weniger was mit Musik zu tun haben. Jeder darf mal was releasen, ohne Boss und Regeln. Mir gefällt die Rolle als Boss auch nicht, aber es müssen täglich Hunderte von Entscheidungen getroffen werden. Damit das Amselcom-Konzept aufgeht, will ich die keinem anderen überlassen.

tip Wer wird Amselcom-Künstler?
Andreas Bührer Das ist ein Prozess an dem viele Menschen beteiligt sind. Der Kern sind Rafa (Rafaele Castiglione), Tanja und ich. Manchmal schicke ich Demos auch an Freunde, um ihre Meinung einzufangen. Wenn ich mich total in einen Track verliebt habe und ein Kumpel, auf dessen Meinung ich großen Wert lege, ihn Scheiße findet, ist das der Moment, an dem es spannend wird.

tip Das heißt?
Andreas Bührer Wenn ein Künstler wie Rafaele Castiglione oder DkA mit einem neuen Track, seinem erschaffenen Werk, an mich herantritt und ich eben diesen auf Anhieb nicht mag, muss ich erst mal an mir arbeiten und nicht an dem Track. Ich bin in diesem Moment meinem Künstler gegenüber verpflichtet mich musikalisch weiter zu bilden. Erst nach diesem inneren Prozess gehe ich auf Details ein und schlage Änderungen vor.

tip Viel Vertrauen in Dein Urteil. Was verleiht Dir diese Sicherheit?
Andreas Bührer Ich berufe mich auf mein Bauchgefühl. Natürlich lässt sich schwer einschätzen, ob ein Release nur in meinem Wohnzimmer, nur in Berlin oder auf der ganzen Welt funktioniert. Mein einziges Messinstrument ist die Amsel-Intuition. Es ist wie in der Liebe, man trifft sich und es knallt eben. Ich glaube an Liebe auf den ersten Blick. so funktioniert die Vogel- und vor allem die Amselhochzeit (lacht).

tip In naher Zukunft?
Andreas Bührer Wir arbeiten an DkA’s nächster EP, einem Konzeptalbum, das DkA-Fans umhauen wird. Die Liste der Künstler ist lang, die nächsten Releases sind mit Detmoldt, Jacob Gröning, Gottlieb Scheppert, Ninze & Okaxy, 2040 und Brussels Pony Club.

tip Und was ist für die Sommersaison 2016 geplant?
Andreas Bührer Der nächste Event, wo wir die Amsel im großen Stil rauslassen, ist am 12. März im Beate Uwe. Ich denke jetzt schon an das Golden Gate wo wir am 3. Juni wieder zu Gast sein werden. Locations wie Ipse, Rummelsbucht und Kosmonaut sind auch interessant für uns. Der Sommer an sich ist leider bis jetzt zu kurz gekommen. Mein Herzenswunsch ist es, meinen Amselcom-Künstlern ein eigenes Open Air zu ermöglichen. Eventuell sogar schon 2016. Auf jeden Fall kann man sich sicher sein, dass Amselcom kein Notstromaggregat aufbauen und unsere Musik aus einem Baumarkt-Pavillon erklingen wird. (lacht)

tip Sondern?
Andreas Bührer Das perfekte in unserer Situation ist, dass wir von Herzen flexibel sind und heute eine Idee ausarbeiten können und sie morgen durchsetzen können. Und wenn es eben doch ein Open Air ist, dann werde ich eventuell meine Meinung zu Dieselgeneratoren ändern. (lacht laut)

Interview: Christopher Hübgen und Susan Schiedlofsky

Foto: Promo

Beate Uwe Schillingstr. 31/Ecke Alexanderstr, Mitte, Sa 12.3., 23 Uhr

Mehr unter http://amselcom.de/

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