Konzerte & Party

Interview mit dem Londoner DJ Mala

DJMalatip: Wie kam die Kollaboration mit kubanischen Jazz-Musikern zustande?
Mala: Ich wurde von Gilles Peterson eingeladen, in Kuba mit einem Ensemble hervorragender Musiker aufzunehmen. Ich flog in die Karibik, probte ein wenig und hörte mir an, welche Rhythmen und Songs die Kollegen vorbereitet hatten. Für mich war es wichtig, den Vibe erst einmal zu verstehen und zu schauen, in welche Richtung sich das Projekt entwickeln könnte. Mit dem Material ging es zurück nach England, wo ich damit arbeiten konnte. Aus den Fragmenten entstanden Stück-Entwürfe, die wir bei meinem nächsten Kuba-Aufenthalt ausfeilten und aufnahmen.

Warst Du denn schon vorher mit kubanischer Musik vertraut?

Kein bisschen.

Du musstest Dich also erst einmal einhören.
Genau. Natürlich hatte ich schon ein paar Songs gehört. Aber ich wusste wenig über die musikalische Geschichte. Ich begann ganz klassisch mit Recherche-Arbeiten, um die Bildungslücken zu füllen. Je näher der Tag der Abreise rückte, umso mehr wuchs meine Vorfreude. Zum Schluss war ich aufgeregt wie ein kleines Kind, weil mich die Kultur wirklich gepackt hat.

Unterschieden sich die Aufnahme-Bedingungen von denen, die aus England gewöhnt warst.
Nicht wirklich. Oder vielleicht dahin gehend, dass die Abdala Studios in Havanna wirklich das imposanteste waren, verglichen mit den anderen Studios – und ich habe in wirklich vielen aufgenommen. Du musst Dir das so vorstellen: Es gibt mehrere Räume, die allesamt über eine andere Akustik verfügen. Und von der Technik her war es ein Traum: absolut „high end“.

Hast Du neben dem Studio auch viel vom Land gesehen?
Leider nicht. Natürlich hatte ich die Möglichkeit, mir Havanna anzuschauen. Ich hätte gern die Insel erkundet, aber dafür reichte die Zeit einfach nicht mehr.

Wie wirkte die Stadt auf Dich?
Erst einmal von den Menschen ausgehend: absolut positiv. Die Begegnungen waren sehr offen, es gab vor allem mit den Musikern sofort einen Vibe. Wenn man durch Havanna spaziert, fällt auf, wie wenig die Stadt auf Konsum ausgerichtet ist. Keine Werbung fordert dich auf, ein neues Auto zu kaufen. Keine Werbung versucht Dich zum Kauf herunter gesetzter Ware zu verführen.

Was ja der kubanischen Politik geschuldet ist.
Machen wir uns nichts vor. Politik ist überall Mist. Egal, ob nun auf Kuba, den USA, Großbritannien oder auch Deutschland. Mich interessiert es eher zu sehen, wie die Leute leben. Und da ist Kuba, auch verglichen mit anderen mittelamerikanischen Ländern nicht die schlechteste Alternative.

Wird Dein Gig in Berlin ausschließlich das Material „Mala in Cuba“ enthalten oder spielst Du auch ältere Stücke?
Nein, es geht wirklich darum, die Platte live vorzustellen. Es wird eine elektro-akustische Fusion sein. Die Band spielt live, ich stehe an den Reglern.

In welcher Erinnerung hast Du denn Auftritte in Berlin?

In Berlin zu spielen, ist immer ein Highlight. Klingt das zu profan für ein Berliner Stadtmagazin?

Das nicht.
Die Berliner Club-Szene genießt weltweit ein hohes Ansehen. Und zwar zu Recht. Die Energie hier ist kaum zu vergleichen mit anderen Städten. Zahlreiche Musiker und Songs prägten letztlich auch meine musikalische Sozialisation.

Wie sieht es denn derzeit mit der Londoner Szene aus? Welche Clubs würdest Du den Berlinern ans Herz legen?
Ganz ehrlich, ich gehe kaum noch in London aus, von daher wäre mein Rat mit Sicherheit veraltet. Am Wochenende bin ich meist irgendwo unterwegs und lege auf.

Interview und Übersetzung: Ronald Klein
Foto: Teddy Fitzhugh


Mala in Kuba im Gretchen
22.11., 20.30 Uhr

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