Konzerte & Party

Interview mit Elena Bashkirova

Interview mit Elena Bashkirova

tip Frau Bashkirova, "Intonations" befasst sich in diesem Jahr mit amerikanischen Emigranten – von Dvorбk über Schönberg bis Bartуk. Haben die etwas gemeinsam?
Elena Bashkirova?Nein, diese Musiker emigrierten aus völlig unterschiedlichen Motiven in die USA. Es gab politische Emigranten wie Rachmaninoff und Strawinsky, die schon lange Russland verlassen hatten. Dvo?бk und Martin? kamen aus ökonomischen Gründen. Dann gab es jüdische Emigranten wie Schönberg und Erich Wolfgang Korngold, die nach Hollywood gingen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie ihre Musik mitbrachten. Und dass keiner von ihnen richtig glücklich geworden ist.

tip Bei Ihnen gibt es stets locker gefügte Themenstränge. Eigentlich mögen Sie keine Themen?
Elena Bashkirova Doch, ich brauche sie und ich gestehe, dass sich Festivals aus einer guten Ausgangsidee wie von selbst ergeben. Was ich nicht mag, sind monothematische Veranstaltungen. Festivals müssen wie eine Fuge gebaut sein, in der sich die Themen umkreisen und verfolgen wie in einem Spionagefilm. Deswegen gibt es bei uns auch andere Jubilare wie Busoni, Reger und Schostakowitsch. Und Beethoven-Trios auch.

tip Bei Ihrem Festival sind die Musiker oftmals miteinander befreundet. Macht das einen Unterschied?
Elena Bashkirova Nein, darf es nicht! Man macht nicht besser miteinander Musik, nur weil man miteinander befreundet ist. Ich habe sogar schon Fälle erlebt, wo es sehr gut ging, obwohl man einander nicht mochte.

tip Dazu zählt Martha Argerich gewiss nicht, die zum Abschluss gemeinsam mit Ihrem Mann Daniel Barenboim auftritt. Wie lange haben Sie gebaggert, um das zu erreichen?
Elena Bashkirova (Lacht.) Martha Argerich ist eine sehr nette Person und sie hat immer gesagt, wenn sie frei ist, würde sie gerne kommen. Mein Mann genauso. Das Problem ist: Er hat keine Zeit. Nach Jerusalem hat er es noch nie geschafft.

tip Blöd gefragt: Was haben Sie gekocht, um Martha Argerich zu überreden?
Elena Bashkirova Ich habe gekocht. Aber nichts Bestimmtes! Das würde ich auch nicht tun, denn ich will Freundschaften nicht ausnutzen.  Mit meinem Mann habe ich sogar eine ganz klare Grenze gezogen. Wir haben immer gesagt, dass wir Privatleben und Beruf nicht mischen wollen.

tip Mit ihm sind Sie genau genommen nur ein einziges Mal gemeinsam aufgetreten!
Elena Bashkirova Ja, in Berlin. Und wissen Sie was: Ich bin einfach nicht auf seinem Niveau! Wir arbeiten trotzdem oft zusammen. Er fragt mich, was ich über seine Sachen denke. Neue Werke spiele ich ihm zuerst vor. Er sieht sofort die Hauptkreuzung, auf der sich die Straßen eines Werkes treffen und voneinander trennen. "Man muss fragen!" ist ein Hauptsatz bei ihm.

tip In Jerusalem machen Sie Ihr Festival an einem Ort, an dem die politischen Probleme auf der Hand liegen. Wie beurteilen Sie die Situation in Deutschland?
Elena Bashkirova Was das Erstarken der rechten Ränder betrifft, so sehen wir das schon mit Sorge. Aber nicht mit Angst. Man sollte nicht vergessen, dass die politische Rechte in Frankreich, Holland oder Österreich noch weit stärker ausgeprägt ist. Für mich überwiegt immer noch der Respekt davor, wie sich Deutschland mit seiner Geschichte auseinandergesetzt hat. Und sonst? Wir machen Musik. Mehr können wir nicht.

Interview: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Dan Porges

Jüdisches Museum Berlin Sa 16.4. bis Do 21.4.,? Karten-Tel. 25 99 34 98

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