Konzerte & Party

Interview mit Julian Percy, dem Betreiber des NK

Interview mit Julian Percy, dem Betreiber des NK

tip Herr Percy, wie haben Sie mit dem NK begonnen, welche Idee stand hinter dem Projekt?
Julian Percy Farahnaz Hatam und ich haben in einer ehemaligen Kita am Bersarinplatz in Friedrichshain eine Konzertreihe für experimentelle Musik organisiert. Das war eine Zwischennutzung und nach einigen Veranstaltungen mussten wir den Raum verlassen. In dieser Zeit, um 2008 herum, standen in Neukölln viele Gewerberäume leer, und nach drei Monaten fanden wir die Räumlichkeiten in der Elsenstraße 52, die zum NK wurden. Wir wollten eine Plattform für Konzerte, Workshops, Filmvorführungen, Gespräche schaffen, auf der sich die experimentelle Musik präsentieren kann. Projekte mit Bezügen zum Klang, die nicht unbedingt der Norm entsprachen.

tip Es war also mehr als einfach nur ein Veranstaltungsraum?
Julian Percy Ja, eine Plattform für das gesamte Spektrum experimenteller Musik. Egal ob Industrial, extreme Computermusik, Noise, Improvisation oder Zetgenössische bzw. Neue Musik.

tip Fehlte in Berlin so ein Ort?
Julian Percy Es gab damals einige Orte und Szenen, wo diese Musik funktionierte. Ich mochte vor allem den Salon Bruit und die Dienstbar, wir wollten dem etwas hinzufügen, da selbst in großen Städten, dieser Art der Musik meist wenig Raum zur Verfügung steht.

tip Gab es für das NK auch Verbindungen zu den früheren Erscheinungen experimenteller Musik aus Berlin?
Julian Percy Es gab immer sehr viele gute und spannende Bands und Künstler aus Berlin, mir fallen da vor allem La Loora, Die Tödliche Doris, Malaria! Und natürlich die frühen Sachen der Einstürzende Neubauten ein.

tip Gibt es Konzerte oder Momente aus dem NK, an die Sie sich besonders erinnern?
Julian Percy Vagina Dentata Organ mit The New Blockaders war in jedem Fall ein Höhepunkt, aber auch was der Auftritt von John Murphy mit Phillip Best zum ersten Mal nach mehr als 20 Jahren, oder Konzerte von Künstlern wie Mika Vainio, Marcus Schmickler, Rudolf Eb.er und Ramleh.

tip Wie konnten Sie finanziell überleben?
Julian Percy Es war immer schwierig, wir mussten uns immer selbst finanzieren. Nur selten, und das nach hunderten von Stunden, die wir mit dem Schreiben von Anträgen verbracht haben, gab es etwas Fördergeld. Es war aber nie nachhaltig, also haben wir vor allem dadurch überlebt, dass wir ohne Bezahlung gearbeitet haben, damit das NK weiterexistieren konnte.

tip Warum mussten Sie schließen?
Julian Percy Wir werden weitermachen und Projekte entwickeln, Anträge stellen und Veranstaltungen organisieren und kuratieren. Farahnaz Hatam, Colin Hacklander und ich, als Leiter des NK, haben aber entschieden, das NK als Veranstaltungsort nicht mehr zu betreiben, weil der Aufwand immer größer wurde und wir auf der anderen Seite selbst als Künstler unterwegs sind, und woanders auftreten. Ich selbst werde mich meiner eigenen Musik widmen, mit meinen Bands Last Dominion Lost, The Walking Korpses, Ultraspießer und meinem Soloprojekt Ratbag.

tip Wo sollten Leute jetzt hingehen, die das NK mochten und die sich für experimentelle Musik interessieren?
Julian Percy
Es gibt drei wichtige Orte in Berlin für die experimentelle Musik, das sind das Loophole, Bei Ruth und das Kollektiv Salon Bruit und man kann auch immer noch auf unserer Seite vorbeischauen, wo wir über neue Aktivitäten und Konzerte informieren werden.

Interview: Jacek Slaski

Foto: NK

Mehr Informationen auf www.nkprojekt.de

Mehr über Cookies erfahren