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Interview mit Shining-Frontmann Niklas Kvarforth

ShiningAls Shining 1998 ihre erste Single veröffentlichten, ward ihr im Black Metal verhaftet, der auf den letzten Veröffentlichungen nur noch eine Nuance des Klangs darstellte.
Es wäre schrecklich zu stagnieren. Natürlich wäre es einfacher, sich zurücklehnen, das gleiche Album immer wieder aufnehmen und sich aus Angst vor künstlerischer Entwicklung zu verkriechen. Für mich stellt das keine Option dar! Ich bin mit Pop, Rock und HipHop aufgewachsen. Black Metal bedeutet mir wirklich viel, aber die Dunkelheit beschränkt sich nicht auf dieses Genre. Vielleicht verschrecken wir aber nicht nur Fans mit einem neuen Klanggewand, sondern öffnen auch ihren musikalischen Horizont.

Was läuft denn derzeit auf Deinem Plattenteller?
Kvarforth: Depeche Mode zum Beispiel, die Band war mir immer wichtig, ebenso wie Bowies Gesamtwerk. Auch Hurts aus England, die gerade ein neues Album veröffentlicht haben, mag ich sehr gern, neben Alltime-Favourites aus dem Black-Metal-Bereich.

Auf den ersten Shining-Alben gab es sehr viel literarische Verweise.
Kvarforth: Das stimmt, es gibt viele Songtitel und Motive, die auf schwedische Literatur rekurrieren. Besonders Stig Dagerman lag mir sehr am Herzen.

Den auch Elfriede Jelinek und Siegfried Lenz sehr bewundern.
Er verfasste beklemmende Texte über Armut, Isolation und Einsamkeit, zum Teil mit autobiografischen Zügen. Er beging 1954 im Alter von 31 Jahren Selbstmord. Neben der Literatur war in jungen Jahren auch das Theater für mich prägend, wobei es in Schweden leider nur wenige Bühnen gibt, deren Besuch sich lohnt. Das sind vornehmlich kleine Off-Bühnen, die großen Häuser zelebrieren eine saturierte Haltung, mit der ich gar nichts anfangen kann, die ich vollkommen langweilig finde. In jungen Jahren habe ich selbst sehr viel gespielt, das war eine prägende Erfahrung.

In der Vorstellung einiger Menschen, gibt es zwischen Metal und Theater kaum Schnittmengen, obwohl sich gerade der Black Metal theatralischer Mittel bedient.
Die Kunst hat doch gerade die Aufgabe Stereotype zu brechen. Ich habe in der Vergangenheit durchaus extreme Performances geliefert, die nun scheinbar immer wieder erwartet werden. Aber die Provokation um ihrer selbst Willen liegt mir fern. Ich bin schon so etwas wie ein Entertainer, das ist mir klar, aber ich werde einen Teufel tun und irgendwelchen Erwartungen gerecht werden, bloß weil es das Publikum oder manche Journalisten wünschen.

Interview: Ronald Klein

Shining 22.11., Theater Tiyatro

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