Persische Musik

Iranische Musiker im Exil

Dank iranischer MusikerInnen in Berlin und Europa geben Ensembles aus Iran hierzulande immer wieder ­Konzerte. Der musikalische Austausch kennt fast keine Grenzen. Eine Einführung und ein Ausblick

Hamed Naji, Foto: Moein Hasheminasab

Einer Melodie zu lauschen, die gleichzeitig auf gezupften, gestrichenen und angeschlagenen Saiten gespielt wird, ist ein ­besonderes Vergnügen. Die Töne auf der Langhalslaute Tar, der iranischen Stachel­geige Kamancheh und der Santur, einem Hackbrett, klingen zugleich weich und perkussiv in Vorder- und Hintergrund, mit ­klaren Konturen und fein dazwischen schwebenden Klangfarben. Solche Eindrücke kann man – ganz ohne Vorwissen über die ­Musiktraditionen Irans – in Konzerten klassischer iranischer ­Ensembles gewinnen. Auf der Bühne sind keine Notenständer zu sehen, sondern MusikerInnen mit verschiedenen Lauten und Handtrommeln, die ­interagieren, mal eine tradierten Abfolge von Melodien spielen oder davon abweichen und improvisieren. Gesang, als Solo und mehrstimmig vorge­tragen, gehört meistens dazu. Die musikalischen Prinzipien und Spielweisen der klassischen iranischen oder persischen Musik haben sich vor 200 Jahren herausgebildet und wurden erst vor knapp 100 Jahren in Schriften und Aufnahmen festgehalten. Bis heute wird dieses Wissen mit Nachahmung, Wiederholung und Erinnerung lebendig erhalten.
Wie lebendig, davon bekommt man am besten in Konzerten einen Eindruck. Das Festival „Female Voice of Iran“ führte 2017 in Berlin erstmals die Vielfalt weiblicher Stimmen aus dem Iran vor Augen, die nächste Ausgabe wird im November stattfinden. In Berlin gibt es zwei Vereine, in denen klassische persische Musik gelehrt wird, den Deutsch-Iranischen Verein für Musik und Kunst Naghmeh Saz und das Institut für West-Östliche Musik. Letztere laden, wenn sich die Chance bietet, Ensembles und Solisten aus dem Iran ein und präsentieren auch das Konzert des Zhouan Ensembles, das am 21. Januar in der Wabe im Prenzlauer Berg stattfinden wird.

Das Quintett mit der Sängerin Arezoo Banipour spielt klassische iranische Musik und Folklore aus der kurdischen Region Irans. Konzerte mit Solo-Sängerinnen vor gemischtgeschlechtlichem Publikum sind im Iran verboten, weshalb Sängerinnen entweder die wenigen Tour-Möglichkeiten nutzen oder gleich ganz auswandern, wie Sepideh Raissadat, die in Kanada lebt und im Februar in Berlin zu Gast sein wird. Die kurdische Sängerin Hani Mojtahedi hat dem Iran wegen des Verbots bereits 2004 den Rücken gekehrt, ihre Fan-Gemeinde reicht weit über ihre Wahlheimat Berlin hinaus.

Exil-IranerInnen sind Meister im Organisieren von Konzerttourneen iranischer Ensembles: länder­übergreifend, unabhängig und ohne institutionelle Förderung. 2017 spielte beispielsweise die Folkrockband Bomrani aus Teheran ein ausverkauftes Konzert in der deutschen Hauptstadt; der Indierockmusiker King Raam aus Teheran plant Konzerte in Deutschland. Nach längeren Aufenthalten in London, New York und Los Angeles kehrte er 2014 in den Iran zurück, erst seit 2017 darf er dort seine Musik offiziell veröffentlichen und aufführen. Jedes Konzert an einem öffentlichen Ort und jeder Tonträger bedarf einer Genehmigung durch das Ministerium für Kultur und Islamische Führung.

Saba Alizadeh aus Teheran spielt Kamancheh und elektronische Musik, gemeinsam mit Andreas Spechtl, Sänger der Band Ja, Panik!, tritt er ab April wieder in Deutschland auf. Dank einer Förderung durch den Koproduktionsfonds des Goethe-Instituts wiederum werden KünstlerInnen aus Berlin, Paris und Teheran ihre Zusammenarbeiten beim Festival für experimentelle Musik SET im Juni in Teheran und beim CTM Festival des Jahres 2019 präsentieren.

Der informelle und künstlerische Austausch zwischen MusikerInnen aus dem Iran, Deutschland und Europa ist schon längst im Gange – und genreübergreifend. In Frankreich, Österreich oder Finnland gibt es ­Ensembles, die ihre eigene Spielart klassischer iranischer Musik finden, ihre Lieder mit Texten auf Englisch und Persisch mit Einflüssen aus Jazz, elektronischer Musik oder Rock anreichern. Jetzt gilt es nur noch, die Weltmusik-Schublade in den Kamin der Geschichte zu werfen und der Musik von IranerInnen einfach zu begegnen – am besten live.

Zhouan Ensemble Wabe, Danziger Str. 101, Prenzlauer Berg, So 21.1., 19 Uhr, VVK 25/ erm. 20 €
Rohab Ensemble mit Sepideh Raissadat, Festsaal Rathaus Charlottenburg, Otto-Suhr-Allee 100, Fr 16.2., 20 Uhr, VVK 30/ erm. 25 €

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