Konzerte & Party

Irgendwie Blasmusik

Hagen LiebingEs muss Ende der 1970er-Jahre gewesen sein, als meine Begeisterung für die Rolling Stones endgültig ins Sammlertum umschlug – und als Fan brauchte man damals wirklich alles, natürlich auch die Soloplatten.
Stones-Lichtgestalt Brian Jones war 1968 in Marokko gewesen und hatte den dort ansässigen Flötenspielern ein Mikrofon unter die Blasrohre gehalten. Natürlich wurden die Klänge bald nach Jones’ Tod als „Brian Jones Presents the Pipes of Pan at Joujouka“ veröffentlicht. Und natürlich kaufte ich Jahre später für teures Geld das bald rar gewordene Sammlerexemplar. Ich weiß nicht, welche Erleuchtung Jones bei den Aufnahmen erfuhr, ich lernte Folgendes: Nicht jede Platte, die mit den Zauberworten Rolling Stones beworben wird, klingt auch danach; wenn eine Scheibe schnell Seltenheitswert erlangt, liegt das oft daran, dass es mangels Nachfrage keinen Sinn gemacht hätte, mehr davon zu pressen; Musik ist noch lange nicht psychedelisch, nur weil derjenige, der sie für sich entdeckt hat, beim Hören zugedröhnt war; und Flötenmusik von marokkanischen Ziegenhirten ist auch nicht die „Urform des Rock and Roll“, wie der als Drogenfachmann berühmte William Burroughs beteuert haben soll, sondern sie ist und bleibt Flötenmusik von marokkanischen Ziegenhirten.
Was ja nicht schlecht sein muss. Aber: Wer auf so etwas vorbereitet ist, der wird am 2. Juli beim Konzert der „Master Musicians of Jajouka“ im HKW auch nicht so enttäuscht sein, wie ich es beim ersten Hören des „legendären“ Soloalbums von Brian Jones war.

Sie wollen dem Autor Ihre Meinung sagen?
Bitte sehr: [email protected]

Lesen Sie hier weitere Kommentare von Hagen Liebing:

Legendenbildung

Der Preis ist lau

Reclam rockt (nicht)

Schneckentempo

Theaterrocker

Künstlerpech

Legale Dilettanten

 

Mehr über Cookies erfahren