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Ja, Panik: DMD KIU LIDT

Ja, Panik: DMD KIU LIDTWas „DMD KIU LIDT“ wohl bedeuten mag? Digital Micromirror Device? Dumm macht doof? Dekonstruktion meets Derrida? „DMD KIU LIDT“ heißt die neue Platte der Wahlberliner Ja, Panik. Erstmals ist diese komplett in Berlin entstanden, Moses Schneider (Tocotronic, Turbostaat) hat sie produziert, erstmals tragen alle 15 Stücke englische Titel. Zwischen Deutsch, Englisch und einem charmanten Wienerisch schlängelt sich der Gesang von Andreas Spechtl durch die Musik und vermischt sich in seiner Selbstverständlichkeit zu einer einzigen Globalsprache. Die (nationale) Sprache wird Statist, der Inhalt ist der Hauptdarsteller. Was auch bedeuten könnte, weniger die Herkunft, mehr das Sein ist wichtig. Könnte man meinen.
Vielleicht ist aber auch alles anders, und es handelt sich dabei um eine neue Spielart der Ex-Wiener, die mit ihren kryptischen wie poetischen Texten, Titeln und Covern spielerisch für Verwirrung sorgen, aber gerade dadurch genügend Raum für Eigenreflexion lassen und der Platte eine faszinierende Leichtigkeit verschaffen. „Wohin ich blicke, sehe ich jemand, der sich für jemand anderen zum Trottel macht“, singt Spechtl, wohl wissend, dass dies der Lauf des Lebens ist.
Musikalisch erklingen wie gewohnt Gitarre, Schlagzeug, Bass und Klavier, hinzugekommen sind an manch melancholischer Stelle die Streicher. Grundsätzlich geht es bei ihrem inzwischen vierten Album erwachsener, reduzierter und bedächtiger zu. Harmonische Melodien ziehen sich durch die Stücke, ohne dass sie an Sperrigkeit verlieren. Herausragend ist Titelstück „DMD KIU LIDT“, bei dem Spechtl an den verstorbenen, ebenfalls grandiosen Falco erinnert. Wir lernen: Man sollte die anderen nicht so ernst nehmen und sich selbst schon gar nicht. Vielleicht klappt’s dann auch mit der Revolution. DMD KIU LIDT heißt im Übrigen: Die Manifestation des Kapitalismus in unseren Leben ist die Traurigkeit.

Text: Simone Jung

tip-Bewertung: Herausragend

Ja, Panik, DMD KIU LIDT (Staatsakt)

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