Konzerte & Party

Ja, Panik im Lido

Ja, Panik

Ihr letztes Album „DMD KIU LIDT“ beendeten Ja, Panik mit dem Titelsong, einem denkwürdigen Protestlied. 14 Minuten lang sinnierte Sänger Andreas Spechtl über das Thema „Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit“, wie das Stück ausgeschrieben heißt. Dieser Kraftakt hat Substanz gekostet. Zwei Mitglieder haben danach die Band und Berlin verlassen. Das ist eine Situation, die alles zerstören kann. Aber Ja, Panik ist keine gewöhnliche Band. Spechtl, Bassist Stefan Pabst und Schlagzeuger Sebastian Janata betrachteten die neuen Bedingungen als Herausforderung, machten zu dritt weiter und nahmen einen Stilwechsel vor. Sie verzichteten auf intensives Brainstorming und systemkritischen Einsatz und setzten dafür auf Leichtigkeit und Weltfluchtgedanken. Die Band bringt in diesem Zusammenhang zur besseren Beschreibung gerne den Namen The Style Council ins Spiel. Paul Wellers zweite Band, die die Politik Thatchers mit Salonlöwen-Appeal kritisierte. Bei Ja, Panik lassen sich analoge Beispiele finden. Der Titel „ACAB“ steht eigentlich für „All Cops Are Bastards“, aber Spechtl singt in totaler Umkehrung: „All cats are beautiful.“ Die Rückkehr des Wimp-Pop? Keinesfalls, an der Haltung der Burgenländer hat sich nichts geändert. Sie äußert sich nur anders. Refugium ist nun die mysteriöse anarchistische Piratenkolonie Libertatia aus dem 18. Jh. auf dem Boden des heutigen Madagaskar. Nach ihr ist das neue Album benannt. Sie steht sinnbildlich für die Flucht aus dem Kapitalismus hin zu einem freien, ja paradiesischen Zustand.

Text: Thomas Weiland

Foto: Gabriele Summen

Ja, Panik, Lido, Do 13.2., 21 Uhr, ausverkauft

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