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Jack White: Lazaretto

Jack White: LazarettoDrei Frauen habe er zu bieten: eine Rothaarige, eine Blonde und eine Brünette. So vollmundig beginnt Jack White dieses Album. Was für ein Angeber, mag man sich da denken. Man spürt in seinen Worten aber auch, dass White richtig Lust auf Musik hat. In „Three Women“ tänzelt das Klavier, läuft der Groove wie auf alten Funk-Platten und auch seine Gitarrenriff-Attacken voller Quietschen und Quengeln kann sich der Schelm wieder nicht verkneifen. Was für ein Start!  Damit ist klar, dass Fans auf „Lazaretto“ durchaus das auf die Ohren bekommen, was sie erwarten durften. In „High Ball Stepper“ steckt genau der harte Blues-Rock, mit dem White vor gut zehn Jahren den Durchbruch geschafft hat. Aber es geht diesem Mann trotzdem nicht um Besitzstandswahrung.
Man hat sich in letzter Zeit ja schon gefragt, warum sich White nicht stärker auf eine so ausgeprägte musikalische Umgebung einlässt, wie man sie in Nashville vorfindet. Jetzt ist es so weit. Zunächst näselt er in „Temporary Ground“ und bedient sich ein bisschen bei Bowies „Space Oddity“. In Wahrheit ist es ein lupenreiner Country-Song. Mit ihm singt eine Frau, die garantiert rothaarig, blond oder brünett ist. Fiedel und Pedal-Steel ziehen ihre Kreise.
Ein Erlebnis ist es, White bei einem Erfahrungsbericht zuzuhören. Es geht um „That Black Bat Licorice“, um schwarze Fledermauslakritze. Das Zeug schmeckt ihm nicht, was er mit Feuereifer unmissverständlich zum Ausdruck bringt. Ungewöhnlich ist der Dub-Beat, der im Hintergrund die Basis bildet. Ein weiterer Hauptgewinn ist „Alone In My Home“. Die Trauer über das Alleinsein nimmt hier keineswegs desperate Ausmaße an. Dafür sorgen ausgelassene Klavierakkorde, die an Steve Forberts größten Hit „Romeo’s Tune“ erinnern. Jack White scheint offenkundig ein Faible für Spielereien zu entwickeln. Das wird noch spannend mit ihm.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Jack White, Lazaretto (Third Man/XL/Indigo)

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