Konzerte & Party

Jaga Jazzist in der Volksbühne

Jaga JazzistGerade mal 14 war Lars Horntveth (Saxofon), als er 1994 mit Schwester Line (Tuba), Bruder Martin (Schlagzeug) und weiteren sechs Talenten eine Formation gründete, die in Norwegens Jazz-Szene bald als neues Aushängeschild galt. Denn Jaga Jazzist beeindruckten mit fantasievoll arrangierten Bläsersätzen und polyrhythmischen Raffinessen Coltrane-Kenner und Postrock-Fans gleichermaßen. Und dank ihres Faibles für elek­tronische Beats erreichte das dritte Album „A Livingroom Hush“ (2001) auch Drum’n’Bass-Begeisterte. Auf „What We Must“ (2005) war es dann vorbei mit den Clicks’n’Cuts.
Stattdessen dominierten flächige E-Gitarren den Sound, der oft an My Bloody Valentine erinnerte. Ein Richtungswechsel, den auch die temporäre Verkürzung des Bandnamens (zu Jaga) markierte. Nach Jazz klangen diese Tracks in der Tat nicht mehr. Dennoch basierten sie alle auf Improvisationen.
Ganz im Gegensatz zu den Stücken des aktuellen Werks „One Arm Bandit“, für das Lars Horntveth komplexe Partituren schrieb. Deren Einstudierung nahm zwar den ganzen Herbst 2008 in Anspruch, doch die Aufnahmesession habe davon sehr profitiert: „Die Songs waren alle so verinnerlicht, dass wir im Studio oft spontan die Instrumente wechselten.“ Eine Atmosphäre frei fließender Kre­a­tivität, welche im abwechslungsreichsten und zugleich melodischsten Jaga-Jazzist-Album bis dato mündete: sei es der Fela-Kuti- und Frank-Zappa-inspirierte Titelsong, sei es die mehr Michael-Nyman- als Bach-beeinflusste „Toccata“ oder das nach französischem Krimi-Soundtrack klingende „Book Of Glass“ – bei jedem Hördurchlauf lassen sich neue Details entde­cken.

Text: Markus von Schwerin

Foto: Robin Ottersen

Jagga Jazzist + Silje Nes, Volksbühne, So 7.3., 20 Uhr, VVK: 18/14 Euro

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