Konzerte & Party

Jake Bugg im Crystal Club

Jake Bugg

England hat einen neuen Hoffnungsträger. Einen Teenager. Einen mit Gitarre und ’nem Haufen Songs. Er erfüllt aus dem Stand alle Vorstellungen von echter, authentischer Musik und bietet in Zeiten nervtötender Castingshows und zerhackstückelndem Dub Step gänzlich unzynisches Songwriting. Seine Geschichte ist wie aus dem Bilderbuch: Er kommt aus Nottingham, einem dieser traurigen Orte in UK, der auf dem Weg von der postindustriellen Gesellschaft zum Dienstleistungssektor jede Menge Arbeitslosigkeit produzierte. Eben „Trouble Town“, wie der 18-Jährige auf seiner Debütsingle singt, wo der schönste Gedanke der ans Abhauen ist. Musik hatte Jake Bugg ursprünglich gar nicht auf dem Schirm, dafür jede Menge Fußball und alles was wegknallt: „I drink to remember, I smoke to forget“ („Two Fingers“). Und wie alle Gleichaltrigen schaute er The Simpsons. Auch die Folge, in der Don McLean auftrat, Erfinder des „American Pie“, da war er zwölf. Und von Stund an war Jake Bugg von der Frage besessen, warum ihn dessen Song „Vincent (Starry, Starry Night)“ mehr als alles andere, was er nebenbei so hörte, berührt. Er forschte nach den Ursprüngen, hörte Buddy Holly und The Weavers und fing an, eigene Stücke zu schreiben. Kleine Schritte mit großen Folgen. Er stellte die ersten Songs ins Netz, spielte auf der Entdeckerbühne in Glastonbury, wurde von Noel Gallagher als Support eingeladen, unterschrieb einen Plattenvertrag und schoss im Oktober mit seinem Debütalbum ohne Umwege an die Spitze der Charts. Ein Wunderkind? Eigentlich nicht, denn er klingt wie der frühe Bob Dylan, bringt seine abgeklärten, gut beobachtenden Songs unkompliziert, ernsthaft und wortgewandt rüber, lässt hier die Beatles und dort die Everly Brothers durchschimmern, bleibt dabei immer cool wie Liam, und macht rundum nichts falsch. Der 72 jährige McLean dürfte seine Freude haben daran, sagte er doch jüngst:  You’ve got to put good stuff in to get good stuff out, if you want to write songs.

Text: Christine Heise

Jake Bugg, Crystal, 29.11., 21 Uhr, ausverkauft

Zusatzkonzert: Postbahnhof, 18.3.2013, VVK: 16 Ђ zzgl. Gebühr

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