Konzerte & Party

James Blood Ulmer im Quasimodo

James Adjutanten, die sich selbstständig machen, hat es im Jazz immer gegeben. Nur ist es ihnen selten gelungen, stilistisch wirklich aus dem Schatten des Mentors zu treten und sich weiterzuentwickeln. Derlei Probleme hatte James „Blood“ Ulmer nie. Als Gitarrist von Ornette Coleman lernte er in den Siebzigern, wie man den harmonischen Aspekt zugunsten von freier Improvisation verdrängt. Unter eigenem Namen knüpfte er anfangs noch da­ran an, doch spätestens mit dem programmatisch betitelten Album „Black Rock“ (1982) wurde Ulmer abtrünnig. Dem Free Jazz frönte er nachfolgend nur noch in Nebenkonstellationen, auf eigenen Alben gewannen der rhythmische Antrieb des Funk und der kathartische Rock-Rausch eines Jimi Hendrix die Oberhand.
Ulmer hatte in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern seine erste starke Phase, danach kam es zu starken Formschwankungen und gelegentlich zu arg routinierter Dudelei. Erst die Begegnung mit Vernon Reid entfachte seine Leidenschaft von Neuem. Der Living-Colour-Gitarrist wurde als Produzent zum Vertrauensmann. Er ermutigte Ulmer, die Bindung zum Sound der Südstaaten zu vertiefen, vor allem zum Blues. „Birthright“ (2005) enthält Aufnahmen nur mit Gitarre und Gesang, für den bald 67-Jährigen eine absolut ungewöhnliche Konstellation. Auf „Bad Blood In The City“, seinem bislang letzten und wieder mit Band eingespielten Studioalbum, verschmelzen elektrischer Blues und schweißtreibender Funk zur Hommage an die Stadt New Orleans. Jetzt spielt Ulmer zusammen mit Bassist Mark Peterson und Schlagzeuger Grant Calvin Weston vor. Da ist die Vorfreude groß, denn in Trio-Besetzung wusste der Vollblutgitarrist stets besonders zu überzeugen.

Text: Thomas Weiland

Foto: Bill Douthart

James „Blood“ Ulmer, Quasimodo, Kantstr. 12 a, Berlin-Charlottenburg, Fr 23.1., 22 Uhr, VVK: 22 Euro.

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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