Konzerte & Party

James Yorkston im Heimathafen Neukölln

James Yorkston

Aktuell ist das Thema wieder vom Tisch, aber noch vor wenigen Monaten kochte die Volksseele der Schotten hoch: weg vom verhassten England, Mut zur Unabhängigkeit – für den Songwriter James Yorkston war das keine Frage der Nationalität, sondern von Nord gegen Süd, von Arm gegen Reich, das alte britische Spalterthema, das von Northern Soul bis zu „Hit the North“ von The Fall seine Spuren auch in der Popmusik hinterlassen hat. Er kämpft leidenschaftlich für Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Und Yorkston weiß, wovon er spricht. Er begann seinen Weg als Punk, fütterte die Hardcore-Seite seiner Seele unter anderem in der Garagen-Band Huckleberry, bevor er Demotapes des Akustik-Songs „Moving up Country/Roaring the Gospel“ an Radio-DJ John Peel und Folk-Musiker John Martyn schickte. Der eine spendierte begeistert Airplay, der andere einen Live-Auftritt in seinem Vorprogramm. „Höchstens zehn Prozent meines Repertoires ist vom traditionellen Folk geprägt. Ich schreibe Popsongs, die jedoch nicht besonders populär sind.“ Seine Einflüsse eklektisch zu nennen, ist keine Übertreibung: von Johnny Cash bis Jimmy Somerville, von Nomeansno und Linton Kwesi Johnson über Scott Walker bis zu Folk-Dekonstrukteur Richard Dawson, alles fußend auf der ewigen Verehrung für This Mortal Coil, den Emotionstitanen der Achtziger – Hauptsache, es ist nicht diese indie-mäßige Niedlichkeit, dieser harmlose Jingle-Jangle-Pop. Er selber pflegt den von Ruhe getragenen, nie forcierten Erzählton, der das passende Bett sowohl für den schrillen Schmerz erlebter Qualen als auch für die zarten Töne von Herzensverbindungen schafft. Hinten in der Ecke, auf einer improvisierten Bühne eines lärmenden Pubs wird man ihn nicht finden. Wenn nicht zugehört wird, hört er auf, so viel Stolz muss sein. Und er steht allemal lieber in einem halb vollen Club seiner Heimat, dem County Fife, als Hunderte Kilometer entfernt in einem halb vollen Club in Wales. Das Musikgeschäft ist wie jedes andere Geschäft vom Ego der Menschen geprägt, die Geld verdienen wollen. „Meinem Ego reicht es, wenn ich Platten und Bücher mache und die so schön wie möglich gestalte. Das befriedigt mich.“  Viele seiner Freunde und Assoziierten finden sich auch auch auf dem neuen Album wieder, unter anderem KT Tunstall, Johnny Lynch/The Pictish Trail und Alexis Taylor von der Electro-Dance-Band Hot Chip, der produziert hat, was zunächst abenteuerlich klingt, aber jene Innovation einbringt, nach der Yorkston stets sucht. Am Ende sind es weniger Beats geworden als befürchtet, und im Zentrum stehen die typischen Erzählungen, die sich aus dem Leben speisen. „Broken Wave“ handelt vom Tod des Bassisten Doogie Paul, der 40-jährig an Krebs starb. „Ja, es ist ein trauriger Song, aber nichts im Vergleich zu den traurigen Aspekten der Wirklichkeit.“

Text: Christine Heise

Foto: Steve Gullick

James Yorkston, Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Straße 141, Neukölln, Di 13.1., 21 Uhr, ?VVK: 13 Euro zzgl. Gebühr

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