Konzerte & Party

James Yuill im Postbahnhof

James Yuill

Niemand wird gerne der Folktronica zugerechnet. Dahinter verbergen sich Dilettanten, die Elemente aus akustischer und elektronischer Musik ohne Witz und Esprit zusammenpferchen. Armer James Yuill, ihn wirft man gerne in diesen Topf. Wenn man sich seine frühen Produktionen anhört, völlig zu Recht. Aber er ist lernfähig. Auf seinem aktuellen Album „Movement In A Storm“ zeigt der Londoner mehr Mumm. „First In Line“ und „On Your Own“ sind gute Electro-Pop-Songs, an die man sich erinnert. „Früher habe ich einfach so aus dem Bauch für mich selbst Musik gemacht. Seitdem ich bei einer Plattenfirma bin, setze ich meinen Verstand ein. Ich arbeite zuerst an Songstrukturen und Melodien, dann spiele und singe ich etwas ein.“ Yuill macht Fortschritte, wird dabei aber nicht zu gierig oder glatt. Er hat immer noch seine zerbrechlichen und melancholischen Momente und verbannt die Bewunderung für Nick Drake keineswegs aus seinem Werk. „Wenn ich beim Ausgehen die Wahl habe, entscheide ich mich heute in neun von zehn Fällen für eine Hardcore-Electro-Nacht und nur in einem für den Singer/Songwriter-Abend. Trotzdem will ich in meiner Musik die Balance halten. Das Nebeneinander der Dinge ist Teil meiner Persönlichkeit.“ Live arbeitet Yuill mit einem Kameramann, der ihn von allen Blickwinkeln aus beobachtet. „Ich lasse die Leute damit quasi in mein Schlafzimmer, dadurch wird es persönlicher.“

Text: Thomas Weiland

James Yuill, Postbahnhof, Mo 31.1., 21 Uhr, VVK: 12 Euro

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