Konzerte & Party

James Yuill spielt im Live At Dot

James YuillKategorien und Musik hatten schon immer ein schwieriges Verhältnis zueinander, kaum ein Künstler möchte sich auf nur ein bestimmtes Genre reduziert wissen. Schubladendenken und Musik, das passt einfach nicht zueinander, so die allseits abgenickte These. Eine wertfreie Unterscheidung greift jedoch fast immer oder wird zumindest von allen Beteiligten akzeptiert: jene zwischen Song und Track. Also die Versinnbildlichung der handgemachten, oftmals gefühlsbetonten Musik – dem Song – auf der einen und das synthetische, an Maschinen konzipierte Stück auf der anderen Seite – dem Track.
Sicherlich wurde schon immer mit beiden Polen gespielt, aber in letzter Zeit rückte eine Schar von Songwritern nach, die sich nicht mehr daran störte, ganz unkonventionell das passend zu machen, was nur in der Poptheorie bis dato eigentlich nicht kombiniert werden sollte. James Yuill hat diese Idee auf seinem zweiten Album „Turning Down Water For Air“ fast schon perfektioniert, die musikalische Sozialisierung durch Rave und Techno ist darauf ebenso wenig zu überhören wie die Liebe zu den zärtlich gegriffenen Akkorden auf seiner Gitarre. „Bei mir ist der Mix dadurch entstanden, dass ich ungefähr zwei Jahre lange in London Akustikshows gespielt habe. Irgendwann war mir das zu langweilig, und ich wollte für mich etwas Neues erfinden. Dementsprechend entwickelte ich den Stil der Produktion meines Debüts `The Vanilla Disc‘ einfach etwas weiter. Daraus wuchsen schließlich echte Dance­tracks, und ich tauchte immer tiefer in die Electroszene ein. Aber trotzdem beginnt das Songwriting bei mir weiterhin mit der Gitarre. Ich schreibe einen Song, bekomme eine Idee für einen Beat und vereine dann beides miteinander. Neuere Stücke habe ich auch am Computer komponiert, sie sind meistens loop-basiert – doch zumeist eher uninteressant“, erzählt der Brite, der live so alleine zwischen all seinen Geräten keineswegs verloren wirkt.
Aber wie kam es nun dazu, dass diese Entwicklung vielen jungen Musikern widerfahren ist, so dass man fast schon von einem eigenen Genre sprechen kann? „Ich denke, die vielen neuen Songwriter sind auf eine gewisse Bequemlichkeit und die geringen Kosten des modernen Equipments zurückzuführen, die es jedermann ermöglichen, in seinem Schlafzimmer ein Album einzuspielen. Es ist deswegen längst keine Ausnahme mehr, wenn heute Gitarre und Electronica miteinander verbunden werden wie zum Beispiel auch bei Rod Thomas, The Title Sequence oder Broadcast 2000. Alle konnten arbeiten, ohne dass sie dabei auf ein teures Studio angewiesen waren.“

Text: Jan Schimmang

James Yuill, Live At Dot, Mi 22.04., 20 Uhr, VVK: 10 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets 

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