Konzerte & Party

Jamie Cullum in der Zitadelle Spandau

JamieCullum_c__UniversalMusic

Als erfolgreichster britischer Jazzmusiker aller Zeiten kann man sich schon das ein oder andere herausnehmen. Zum Beispiel: gar keinen Jazz mehr zu machen. Auf Jamie Cullum’s neuem Album „Momentum“ herrscht nun der Pop. Kein herkömmlicher Charts Mainstream versteht sich, sondern eine anspruchsvolle, kultivierte und raffiniert arrangierte Version mit vielen Klassik-, Swing-, Funk- und Jazz-Anleihen. Im Gesamteindruck aber eben dennoch Pop. Dass ausufernde Klavier-Soli und melodische sowie rhythmische Komplexität auf „Momentum“ heruntergefahren wurden, könnte an den ungewöhnlichen „Instrumenten“ liegen, die Cullum dieses Mal zum Komponieren herangezogen hat. Als Vater von zwei kleinen Kindern war es ihm nämlich nicht möglich, für die Aufnahmen ins Studio zu fahren. Songwriting und Recording mussten also von zu Hause aus erledigt werden und zwar mit jenen Möglichkeiten, die ihm dort zur Verfügung standen. Das bedeutete im Klartext: ein Mini-Kinder-Keyboard, ein Kassettenrekorder und diverse Smartphone-Apps.

Der leicht glatt gebügelte Touch, die leichte Michael-Bublй-Anmutung und das leichte Überangebot an Pop-Harmonien dürften jedoch verschwinden, sobald Cullum die neuen Songs auf der Bühne präsentiert. Entgegen aller Erwartungen, dass ein Pianist performancetechnisch ja eigentlich ziemlich eingeschränkt sein müsste, liefert der Brite nämlich grundsätzlich eine virtuose, leidenschaftliche und ekstatische Show ab. Er trommelt und tanzt auf dem Klavier, springt über die Bühne und haut wie besessen in die Tasten, was stets den Anschein erweckt, als entwickelten seine Finger in den zahlreichen Improvisationen eine Art Eigenleben. 

Text: Henrike Möller

Foto: Universal Music

Jamie Cullum Zitadelle Spandau, Fr 23.8., 19 Uhr, VVK: 42 Ђ zzgl. Gebühr 

Mehr über Cookies erfahren