Konzerte & Party

Jamie Cullum war im Admiralspalast

Jamie CullumMittlerweile sind drei Jahre vergangen, mussten sich Fans mit raren, weltweit gestreuten Liveauftritten und einem Beitrag zum Soundtrack für den Clint Eastwood–Streifen „Gran Torino“ begnügen. Jetzt endlich kam der Jazzmusiker ins Studio des Admiralspalast, um sein neues Album „The Pursuit“ vorzustellen. Ein exklusives Event, für das lediglich 250 Tickets in den freien Verkauf gingen.
Mit dem für seine Auftritte offenbar obligatorischen Getränk in der Hand (Cola? Schwarzbier? Kaffee?) betritt Jamie Cullum um kurz nach 21 Uhr die Bühne des bestuhlten Foyers des Admiralspalastes, setzt sich ans Klavier und eröffnet den Abend mit „Don’t stop the music“ – einer angejazzten Coverversion des gleichnamigen Songs von R’n’B-Lady Rihanna.
Höflicher Applaus folgt, doch als Cullum dem Publikum mitteilt, was für ein besonderer und exklusiver Abend bevorsteht, folgen Begeisterungsrufe: „Ihr seid weltweit die Ersten, die das neue Material zu hören bekommen. Ich freue mich drauf. Ich bin 30 Jahre alt.“
Unweigerlich muss man bei dieser Aussage an den Titel des Albums „Twentysomething“ denken. Vielleicht liegt es nur an dem Sakko und der recht braven Frisur, doch im Vergleich zum letzten Berliner Auftritt im Tempodrom vor drei Jahren wirkt der Musiker vom jungen Wilden zum jungen Mann gereift.
Als solcher hat man bereits seine Erfahrungen gemacht und davon – genauer vom Überwinden von Trennungsscherz – handelt das nächste Stück „I’m all over it„. Der von hohem Refraingesang getragene Song ist in seiner Eingängigkeit kaum zu überbieten, hat mit Jazz so gar nichts am Hut und könnte irgendwie auch von Robbie Williams stammen.
Wenig später nimmt sich Cullum laut kurzem Intro mit „Wheels“ dem Thema Finanzkrise an. Ein stampfender, treibender Beat und der vierstimmige Gesang von Leadsänger und Band verleihen dem Song etwas episch-dramatisches. Der Refrain bleibt hängen und dürfte auch auf dem Album einen markanten Fixpunkt darstellen. Passend zum Thema Weltenkrise dann auch das nächste Stück: Eine galant auf Downbeat getrimmte Version des Tony Bennett–Klassikers „If I ruled the world„.
Fast wie eine Warnung klingt danach die Ankündigung, dass nun ein Liebeslied folgen würde: „I think I love“ ist butterweicher Swingjazz und handelt laut Cullum von der Unentschlossenheit der englischen Gentlemen. Nach schneller Rückkehr in rockigere Gefilde („Mixtape„) folgen am Ende mit „Get Your Way“ und „These Are The Days“ als Zugabe zwei Stücke aus dem Album „Twentysomething“. Endlich steht Cullum dann auch singend auf dem Klavier, um nur kurz danach im weiten Bogen in Richtung Publikum herunter zu springen. Neben dem Bearbeiten der Klaviersaiten mit Drumsticks oder ähnlichen Gegenständen ist dieses eine jener verlässlichen Gesten, die ihm den Ruf als unkonventionellen, coolen Querschläger eingebracht haben.
Das Publikum steht jetzt ebenfalls: Ekstase pur auf den Rängen und auf Augenhöhe mit der Band vor der Bühne. Wieder einmal hat der charismatische Brite es geschafft, dass vor allem das weibliche Publikum absolut beseelt im Takt klatscht und ein anfangs durch die Bestuhlung doch recht steifer Showcase zu einer euphorischen Schunkel- und Mitmach-Orgie mutierte.

Text:
JHS

„The Pursuit“ erscheint am 06. November 2009, die dazugehörige Tour folgt.

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