Konzerte & Party

Jamie T im Postbahnhof

Jamie_TJamie Treays hatte es nicht immer leicht. Lange musste er sich mit Panikattacken herumschlagen – bis er ein Debütalbum namens „Panic Prevention“ aufnahm und erleichtert ein Nachlassen der Symptome verspürte. Vor Kurzem sagte er eine Tour ab, die ihn auch nach Berlin geführt hätte. Aber die Kehlkopfentzündung war stärker. Und dann ist da das zweite Album „Kings & Queens“. Die Arbeit daran sei auch nicht so einfach gewesen. „Ich hörte viel von Bob Dylan und Conor Oberst und spielte lange mit dem Gedanken, ein Folk-Album zu machen. Aber dann kamen mir die ganzen Dogmatiker in den Sinn, die es bestimmt verwerflich gefunden hätten, wenn einer wie ich solche Musik macht. Außerdem haben zu abrupte Stilwechsel vielen Musikern in der Vergangenheit eher geschadet.“

Jetzt erinnert nur ein Sample von Joan Baez an den ursprünglichen Plan. Das ist auch gut so, denn sensible Klänge hätten nie und nimmer zu den Geschichten gepasst, die Treays jetzt erzählt. Vorher war er ein Lausbub, der sich in seinem Kinderzimmer im Londoner Stadtteil Wimbledon typische Teenager-Ferkeleien ausdachte. Jetzt hat er die halbe Welt gesehen, und schon empfiehlt er, Kuba schnell einen Be­­­­­­­­­such abzustatten, bevor Fidel Cas­tro stirbt. Er singt viel über London, über den Überwachungsstaat, das Gefangensein in der kriminellen Spirale und alltägliche Übel wie häusliche Gewalt. Aber: „Ich bin nicht auf einen reinen politischen Diskurs aus. Billy Bragg oder The Clash haben das perfekt gemacht. Ich will mich nicht an etwas messen, das nicht besser geht“, sagt er. Da ist er aber ganz schön bescheiden. Mit „Kings & Queens“ überträgt er die Punk-Attitüde von damals brillant auf Befinden und Sound der Jugend heute.

Text: Thomas Weiland

Jamie T, Postbahnhof, Mo 22.2., 21 Uhr, VVK: 15 Ђ

Tickets: www.tip-berlin.de/tickets

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