Konzerte & Party

Janelle Monбe im Postbahnhof

Janelle Monбe

Zuerst hatte man ja kein so gutes Gefühl, als Janelle Monбe in Gestalt eines Androiden auf der Bildfläche erschien. Imposant sah sie natürlich aus, mit goldenem Helm in Form einer Mini-Skyline auf dem Kopf. Wie gefährlich das Spiel mit der Künstlichkeit indes sein kann, hatte sich aber bereits gezeigt, als Maschinenstimmen und Auto-Tune-Effekte die schwarze Musik verunstalteten. Zu viel Futurismus tut einem erdigen Genre wie dem Soul nicht gut. Andererseits muss man auch bereit sein, in die Zukunft zu schauen. Auf den richtigen Mittelweg kommt es an, und den hat Monбe wahrlich gefunden. Für ihre Unternehmungen hat sie ein Alter Ego kreiert, einen Androiden eben, den sie Cindi Mayweather nennt. Er hat die Aufgabe, sich in einer Welt zu behaupten, die  ungefähr so aussieht, wie sie Fritz Lang in seinem Stummfilm „Metropolis“ dargestellt hat. Die Musik, die auf dem Album „The ArchAndroid“ zu hören ist, lässt aber nicht den Schluss zu, dass Mayweather ein Roboter ist. Die Songs sind lebendig und enthalten viel von dem, was es schon im 20. Jahrhundert gegeben hat: Soul, Jazz, Klassik, Swing, HipHop, Garagenrock, Psychedelia, Varietйmusik, Bossa Nova. Monбe hält das für normal. „Die Leute müssen verstehen, dass nicht alle ein monolithisches Verständnis von den Dingen haben. Ganz besonders sollte man sich langsam mal von der Vorstellung lösen, dass afroamerikanische Frauen immer nur heiß auf ein Genre sind, das obendrein ziemlich langweilig ist“, wird sie auf der Online-Seite „Pitchfork“ zitiert.
Janelle MonбeMan muss schon etwas zurückdenken, wenn man eine Frau mit ähnlich starker Persönlichkeit finden will. Erykah Badu ist so eine, Beyoncй war es als Teil von Destiny‘s Child. Die Person aber, der Monбe am nächsten kommt, ist Prince. Nicht zufällig hat die 25-Jährige in diesem Jahr schon eine Version von „Let‘s Go Crazy“ gespielt. Von ihrem Helden hat sie auch die Idee eines Künstlerkokons übernommen. Bei Prince nannte sich das Ganze Paisley Park, bei ihr heißen das Label und die Gemeinschaft von Gleichgesinnten Wondaland. In einem Punkt unterscheiden sich die beiden Musiker aber: Der Veteran aus Minneapolis produzierte schon als Minderjähriger im Studio, Monбe dagegen kam erst über Umwege zur Musik – nicht zuletzt deshalb, weil ihr das Künstlerleben nicht in die Wiege gelegt wurde. Sie kam in Kansas City zur Welt, die Mutter war Hausmeisterin, der Vater transportierte Müll und der Stiefvater war bei der Post. Mit 18 flüchtete sie nach New York und besuchte eine Musik- und Theaterakademie. Einen Abschluss machte sie nicht. Monбe wollte sich nicht an einer vorgegebenen Lehre orientieren, sondern lieber ihr eigenes Ding machen. Die Gelegenheit dazu ergab sich ein paar Bundesstaaten weiter südlich. In Atlanta veröffentlichte sie die ersten Platten im Eigenvertrieb, bald darauf traten ihre beiden wichtigsten Förderer auf den Plan. Antwan „Big Boi“ Patton verschaffte ihr einen Auftritt auf dem Outkast-Album „Idlewild“, Sean „Puff Daddy“ Combs ermöglichte die Veröffentlichung von „The Arch Android“ auf einem Major Label.
Inzwischen kennt man Janelle Monбe auch in Berlin. Vor einigen Monaten war sie bei hochsommerlichen Bedingungen im Rahmen der Bread & Butter zu sehen und legte mit Rockabilly-Tolle und Klamotten aus dem Stepptanz-Unterricht eine flotte Sohle aufs Parkett. Aber mit Sicherheit läuft solch ein Energiebündel auch bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ganz schnell heiß.

Text: Thomas Weiland

Fotos: Andrew Zaeh

Janelle Monбe, Postbahnhof, Di 14.12., 20 Uhr, VVK: 24 Euro

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