Konzerte & Party

Janelle Monбe: „The ArchAndroid“

Janelle Monбe: Ein goldenes Wesen wie von einem anderen Stern mit Türmen voller Ideen auf dem Kopf. Ein Afro-Android, der Kontakt zum Sound der Zukunft aufnimmt und in die Gegenwart überträgt. Allein mit diesem spektakulären Cover-Motiv weckt die bisher weitgehend unbekannte Janelle Monбe schon Interesse. Ihre Musik ist dagegen überhaupt nicht von steriler Roboter-Präzision durchflutet. Im Gegenteil, auf ihrem ersten Album geht das Temperament mit ihr durch. „Am I a freak or just another little weirdo, you can call me your hero, baby“, befiehlt sie. Dieser Alien ist quietschfidel.
Man muss sich die Heldin wie einen Bastard aus P-Funk-Prinzessin, Nona Hendryx, Grace Jones und Missy Elliott vorstellen. Anders als diese gestandenen Grazien versteift sich die von Big Boi (Outkast) und Sean „Puff Daddy“ Combs protegierte Sängerin mit Wohnsitz in Atlanta aber nicht auf einen markanten Stil. Cybergirl Monбe bringt alles unter einen Hut, was sie zwischen die Finger kriegt. Einiges davon fasst sie dann grob in Suiten zusammen. „Metropolis“ hieß die erste, sie erschien vor über einem Jahr als Appetitmacher. Die nächsten beiden Teile hört man nun zusammengefasst auf „The ArchAndroid“.
Suite Nummer zwei ist die bodenständigere von beiden und dürfte die Erdlinge mit Verweisen auf 60s-Soul, Disco und Gnarls Barkley schneller in den Bann ziehen. Lediglich der wilde Rockabilly-Ritt „Come Alive“ fällt aus dem Rahmen. Es ist aber die dritte Suite, derentwegen man sich unsterblich in diese Sängerin verliebt. Hier vernimmt man zum Beispiel extraterrestrische Signale in einer Street-Soul-Ballade („Neon Valley Street“). Zusammen mit der theatralischen Indie-Band Of Montreal bewirbt sich Monбe für einen Empfang bei Ihrer Durchlaucht Prince („Make The Bus“). Am Ende erlaubt sich die ausgebildete Musical-Schauspielerin sogar einen Seitenhieb auf den Broadway und Shirley Bassey („Babopbye Ya“). Egal, was sie auch anpackt: Monбe beherrscht dies aus dem Effeff und zelebriert es mit dem gesunden Wahnsinn einer Ausnahmekünstlerin.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Herausragend

Janelle Monбe, The ArchAndroid (Bad Boy/Warner)

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