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Jarvis Cocker: „Mother, Brother, Lover“

Jarvis Cocker - Mother, Brother, LoverBei Jarvis Cocker, Frontmann der Popband Pulp, weiß man nie. Als die Band 1998 „This Is Hardcore“ veröffentlichten, war es gerade das extrem aufgedrehte Rotlicht, das zerschlagene Träume und den Zauber der Illusion offenbarte. „Es macht viel mehr Spaß, dort nach Tiefgang zu suchen, wo er gar nicht vorgesehen ist.“ schreibt Cocker im Vorwort zu seinem ersten Buch. Ausgehend von der Annahme, dass Popmusik auch prima ohne Worte auskäme und er persönlich sie als lästig wie Schularbeitenmachen empfindet, machte er aus der Not eine Tugend: Wenn schon eh keiner hinhört, kann er auch schreiben, was er will. So sind die hier zusammengefassten Songtexte die Dokumentation seiner Jugend geworden, den Zeitraum von 1983 bis 2009 umspannend. Dabei wurde er sein eigener Maßstab: Vermeide auf jeden Fall „anständig“ zu schreiben, sondern nimm genau das zum Inhalt, was dir tatsächlich durch den Kopf geht. Nur so wirst du zu einer eigenen Stimme finden. Fabelhaft, dass diese formal und inhaltlich ungezähmte Haltung nun auch zwischen zwei Buchdeckeln daherkommt und anderen lehren kann: Mach aus deinen Macken dein Markenzeichen.

Text: Christine  Heise

Jarvis Cocker: „Mother, Brother, Lover – Selected Lyrics“, Faber & Faber 2011, 14,99 Britische Pfund

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