Konzerte & Party

Jason Isbell

Jason Isbell

Irgendwann war es gut. Er hatte alles erzählt, gebeichtet, ausgekotzt, geschwelgt, bemitleidet, heraufbeschworen, er fing an, sich zu langweilen mit den immer gleichen Geschichten vom Scheitern und vom Teufel an seiner Seite. Er hatte keine Lust mehr von sich selber zu singen. „Something More Than Free“ lautet der durchaus programmatische Titel seines diesjährigen, fünften und erneut mit Produzentenstar Dave Cobb eingespielten Soloalbums. Zuvor war Jason Isbell sechs Jahre lang Mitglied von Drive-By Truckers, jener tief im Süden verwurzelten Rockband in der Tradition von Lynyrd Skynyrd und Neil Young. Dort war ?Jason Isbell bis 2007 Teil des Songwriter-Trios mit Patterson Hood und Mike Cooley, und hinterließ mit seinen hymnischen, Replacements-inspirierten Akzenten durchaus seine Spuren. Heute zeigt er sich längst als selbstständiger Bandleader und Songwriter, der über sich selber hinauswächst. „Wenn es Dir für einen Moment gelingt, mit den Augen einer anderen Person zu sehen, dann hast Du das Ziel erreicht“, sagt er über die Kunst des Songwritings. „Zu viele erfolgreiche Songwriter kennen zu wenig normale Menschen. Wenn Dir menschliche Überlebenskämpfe am Herzen liegen, halte Dich fern von der Welt der Rockstars, Modells und Yes-Men.“ Seine Songs sind gleichwohl auch heute noch indirekte Reportagen seiner selbst, mit Alkohol-, Drogen- und Trennungsproblemen. Das durchgemacht, bleibt die Sensibilität und Einfühlung Quelle der Inspiration seiner Musik, auch wenn er ganz persönlich ein gutes Jahr hatte: verheiratet in zweiter Ehe und seit dem Sommer Vater einer Tochter, steht das adrett gescheitelte Haar auch für Ordnung und Kontrolle. Seine immer stärker werdenden Texte, die zurecht mit der Wortmacht eines Raymond Carver verglichen werden, lassen Jason Isbell auch als Anwärter auf den Bruce Springsteen Thron gelten, den Blick konsequent auf jene gerichtet, deren alltäglicher Kampf nicht zu den Lieblingsthemen der Popwelt zählt.  

Text: Christine Heise

Foto: McClister

Lido Cuvrystr. 7, Kreuzberg, Mo 11.1., 20 Uhr, VVK: 16 Ђ zzgl. Gebühr

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