Konzerte & Party

Jean-Benoоt Dunckel von Air im Gespräch

Airtip Wie macht sich die Krise in Frankreich bemerkbar?
Dunckel Alles ist langsamer geworden. Im Restaurant wird man nicht gleich bedient, weil der Eigentümer am Personal sparen muss. In der Post passiert dasselbe. Wenn man als Musiker gerade kein Geld hat, kann man welches beim Staat beantragen. Ruft man dort an, um sich nach der zuständigen Stelle zu erkundigen, ist niemand da, der abnimmt.

tip Noch mal zur Musik. Auffällig ist, dass es bei Ihnen jetzt stilistisch munter durcheinander geht. Wie sind sie zum Beispiel auf den Jazz gekommen?
Dunckel Die Jazzmusiker der 50er Jahre kann man nur bewundern. Sie haben sich ohne Proben im Studio verabredet, und innerhalb weniger Tage war ein Album fertig. Alles daran ist wunderbar. Ihr Zusammenspiel. Die Wärme, die in den Aufnahmen steckt. Ihre Leidenschaft bei der Arbeit. Wir haben das immer bewundert, weil uns Ideen nicht so zufliegen. Für „Love 2“ haben wir uns diese Jazzmusiker mal zum Vorbild
genommen. Alles wurde live im Studio gespielt, zusammen mit Schlagzeuger Joey Waronker. Im Augenblick sind wir also ein Trio. Auch das sorgt für mehr Lockerheit.

tip Ein Schlagzeuger? Werden Air, die Apologeten der elektronischen Sanftmut, auf ihre alten Tage womöglich noch Rocker?  
Dunckel (lacht) Das vielleicht nicht gerade. Rock war für uns aber schon immer präsent. Nur haben wir uns nicht getraut, diesen Einfluss offen zu zeigen. Vor acht Jahren war Rock das große Thema, mit den Strokes und White Stripes. Da hätte jeder gedacht, wir folgen bloß der Mode, wenn wir in diese Richtung gehen. Nur: Wenn du zum Trittbrettfahrer wirst, verspielst du jeden Kredit. Zum Glück begegnen sich Rock und Elektronik nun mehr in Augenhöhe, das macht es für uns leichter.

Interview: Thomas Weiland

Air, Huxley’s, Mi 27.1., 20 Uhr, VVK: 30 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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