Konzerte & Party

Jean-Benoоt Dunckel von Air im Gespräch

Airtip Vor kurzem, aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums der Veröffentlichung von „Moon Safari“, haben Sie ihre Fans gefragt, welche Erinnerungen sie mit diesem Album verbinden. Was ist dabei herausgekommen?
Jean-Benoоt Dunckel Viele haben geschrieben, sie hätten zu dieser Musik Kinder gemacht. Andere wiederum erklärten, sie hätten die Platte zu einer Zeit gehört, als sie frisch verliebt waren. Wir haben offenbar viele Menschen glücklich gemacht.

tip Was denken Sie denn selbst über diese Platte, die bis heute als Ihre beste gilt?
Dunckel Uns schwirrten kleine Träumereien in den Köpfen herum, daraus haben wir Musik gemacht. Meiner Meinung nach ist es aber gar nicht mal ein sonderlich inspiriertes Album. Das Publikum hat sich „Moon Safari“ unter den Nagel gerissen und zu seinem Ereignis gemacht. Dafür gab es auch einen Grund. In den 90ern bollerten die Bässe und Beats der House-Musik. Eine Zeitlang machte das Spaß, aber dann sehnten sich die Leute nach Abwechslung. Sie suchten nach Musik für zu Hause, die gleichzeitig modern ist. Da kamen wir mit unserem Sound gerade recht.

tip Das hört sich merkwürdig distanziert an.
Dunckel Der Erfolg von „Moon Safari“ war ein Zufall, der für uns sehr positive Folgen hatte. Wir konnten ein eigenes Label gründen (Record Makers, inzwischen nicht mehr existent, d. Verf.) und zu einem Film von Sofia Coppola und einem Buch von Alessandro Baricco musikalische Ideen entwickeln. Das war toll.

tip Ihre Musik lädt seitdem immer wieder zur Weltflucht ein und ist sehr romantisch geblieben. Wie gelingt es Ihnen, negative Schwingungen auszublenden, unter denen wir alle mal leiden?
Dunckel Ich glaube nicht, dass uns das immer gelungen ist. Nehmen Sie nur unser letztes Album „Pocket Symphony“. Wir hören uns an, als spielten wir in einem Eiskasten. In den Songs steckt überhaupt kein Gefühl.

tip Wie kam es dazu?
Dunckel Unser Akku war leer. Ich hatte ein Soloalbum unter dem Namen Darkel gemacht, danach haben Nicolas und ich 14 Stücke für Charlotte Gainsbourg ge­schrie­ben. Kurz darauf stand schon die Produktion von „Po­cket Symphony“ an. All das in­nerhalb eines Jahres. So etwas schlaucht. Wir hatten auch Angst, die Leute könnten uns als nicht mehr relevant einstufen. Immerhin waren wir damals schon zehn Jahre lang ununterbrochen im Geschäft. Glück hält nicht ewig.

tip Das erste Stück auf Ihrem aktuellen Album „Love 2“ heißt „Do The Joy“. Haben Sie nun wieder Spaß?
Dunckel Auf jeden Fall. Wir können jetzt in unserem eigenen Studio arbeiten, es gibt keine Deadlines und keinen Druck mehr. Dadurch lösen sich auch manche Blockaden im Kopf. In diesem Song steckt aber noch eine an­dere Botschaft. Sie lautet: Entspannt euch mal. Tretet nicht in die Falle einer Unzufriedenheit, für die es keinen Grund gibt. Einfache Dinge des Lebens, die Exis­tenz an sich – auch daran kann man sich berauschen. Die Menschen in den westlichen Ländern haben nichts anderes zu tun, als ständig dem Geld hinterherzu­rennen. Nur das spornt sie an. Dann kommt plötzlich die böse Finanzkrise, und alle sind wie auf Knopfdruck unglücklich. In anderen Kontinenten lernt man aber Leute kennen, die immer ums Überleben kämpfen und auf der Straße schlafen müssen. Die wären froh, wenn sie solche Wohlstandssorgen hätten.

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