Konzerte & Party

Jens Lekman

Jens LekmanOb mit Ukulele oder mit fünfköpfigem Frauen-Orchester: dank seiner offenherzigen Lieder avancierte Jens Lekman zum ­internationalen D.I.Y.-Star. Manche sehen in dem 29-Jährigen eine Reinkarnation Jonathan ­Richmans, andere fühlen sich an Jarvis Cocker erinnert, als dieser noch in sein „Lighthouse“ lockte. In der Tat meistert Lekman die Gratwanderung zwischen leisem Humor und ungehemmtem Sentiment wie kein anderer seiner Generation. Wenn er in „A Postcard to Nina“ erzählt, wie er sich beim Treffen mit den Eltern seiner lesbischen Brieffreundin als deren Partner ausgibt, sind es kleine Details, die der Anekdote im Slow-Soul-Gewand noch mehr Würze geben. Im Titel seiner letzten CD setzte er der Göteborger Vorstadt Kortedala ein Denkmal. Die hat man sich so heimelig wie Hohenschönhausen vorzustellen. Aber dort sind, in einer 30 qm-Erdgeschosswohnung, fast alle Lekman-Lieder entstanden. Und die Hände auf dem Cover-Foto, welche seine Haare frisieren, dürften die von „Shirin“ sein, jener schmachtvoll besungenen Irakerin, die im selben Hochhaus einen illegalen Salon betreibt und vor der Einwanderungsbehörde bangt. In Jens hat sie einen treuen Kunden verloren, da dieser mittlerweile in Melbourne lebt und nun selbst Nischen finden muss, um dort der Wunschprofession nachzugehen: Mangels Arbeitsvisum darf er in Australien keine offiziellen Konzerte geben. Stattdessen tritt Jens rege bei privaten Partys auf.

Text: Markus von Schwerin

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