Konzerte & Party

Jill Scott: „The Light Of The Sun“

Jill Scott: The Light Of The SunErst ließen Jill Scott und ihr Mann sich scheiden. Dann bekam sie ein Kind vom Tour-Schlagzeuger, aber auch diese Beziehung ging in die Brüche. Schließlich war sie in mehreren leidlich erfolgreichen Filmen und Fernsehserien zu sehen. Da versteht es sich von selbst, dass Scott sich Luft verschaffen und von dieser bewegten Zeit erzählen muss.
Mit „The Light Of The Sun“ wird die ohnehin nicht verschlossene Frau endgültig privat. Sie erzählt davon, dass sie im Studio noch schnell den letzten Take singe. Danach freue sie sich, endlich wieder ihren Sohn sehen zu können. Das Dasein als alleinerziehende Mutter verängstigt sie keineswegs, im Gegenteil: „I can stand on my own, I’m magnificent.“ Wer so intim wird wie die 39-Jährige, kann keine beliebige Musik machen, das versteht sich von selbst. Scott ist in dieser Hinsicht aber besonders ambitioniert. In „All Cried Out Redux“ macht sie einen riesigen Zeitsprung, es kollidieren die Human-Beatbox-Performance von Doug E. Fresh und ein Ragtime-Piano. „Rolling Hills“ dokumentiert eine innige Verbindung zum Jazz und zum Blues. „Blessed“ ist ein klassischer Scott-Track, zwischen Hip-Hop und Soul pendelnd und dabei mit Marvin Gayes „What’s Going On“ flirtend. In „Shame“ assistiert Rapperin Eve, begleitet von einem Neunziger-Groove, den man von En Vogue kennt.
Auf Stargäste oder großen Produktionsaufwand ist die Sängerin aus Philadelphia aber nicht angewiesen. Sie kann die Show locker im Alleingang schmeißen, das zeigt sich während der zweiten Hälfte des Albums. Da lässt Scott auch wissen, worauf sich ein Kerl bei ihr einzustellen hat: „Clearly I am not just an ass.“ War es wirklich notwendig, das in „Womanifesto“ explizit zu erwähnen? Dass Jill Scott Niveau hat und etwas Besonderes ist, merkt man doch im Nu.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Jill Scott, The Light Of The Sun (Blues Babe/Warner)

Mehr über Cookies erfahren