Konzerte & Party

Jimmy Edgar: „XXX“

Jimmy Edgar: Detroits Pioniere der Achtzigerjahre waren eigen. Sie hatten kein Interesse am schwarzen Funk, der zur damaligen Zeit unumgänglich war. In ihren Tracks ließen sich nur wenige Spuren von George Clinton, Prince, Cameo oder D-Train nachweisen. Viel lieber flüchteten sie nach Europa, zur Musik von Kraftwerk oder Depeche Mode.
Vor vier Jahren dann urplötzlich die Kehrtwende. Der als weißes Wunderkind Detroits angekündigte Jimmy Edgar baute auf seinem Debütalbum „Color Strip“ Brücken zu genau jener Welt, die von Techno-Größen ignoriert wurde. Analoge Synthesizer, Vocoder und alte Drum-Computer sorgten für authentisches Funk-Flair, außerdem sprach er seine Zielperson direkt an: „Girl, what you think about my beats, I can give you anything you need.“ Edgar ist auch Fotograf, Designer und Maler, er braucht einen konkreten visuellen Eindruck, mit dem er arbeiten kann. Zu abstrakte Überlegungen und minimale Konstrukte meidet er.
 „Color Strip“ war ein gelungener Feldversuch. Er hat Edgar ermuntert, den eingeschlagenen Weg mit „XXX“  konsequent weiter zu beschreiten. Und wie er es tut! Man muss an „Operator“ von Midnight Star denken, an Roger Troutman, an „Fantastic Voyage“ von Lakeside oder an die Belgier von Telex. Edgar nimmt sich das alles zum Vorbild und macht daraus Tracks, die clubtauglich, aber auch eingängig genug für den täglichen Gebrauch sind.
In „Push“ adaptiert er den einprägsamen Sprechgesang eines Dieter Meier. Mit „Physical Motion“ orientiert er sich am langsamen Groove von Teddy Riley. Der Beitrag der New Yorker Sängerin Azealia gibt dem Stück endgültig eine laszive Note, die natürlich eine Rolle spielen muss, wenn man so einen Albumtitel wählt. Edgar übertreibt es aber nicht. Selbst wenn es um „Hot, Raw, Sex“ geht, hört es sich nicht billig, derb oder vulgär an.
„XXX“ kann ein Album mit Folgen werden. Nicht wenige Interpreten der Black Music sehnen sich nach hungrigen Produzenten, die Timbaland oder will.i.am mal richtig herausfordern. Edgar meldet sich mit diesem Album auf überzeugende Weise als Kandidat an.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Jimmy Edgar, XXX (K7/Alive)

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