Konzerte & Party

Joan Baez im Tempodrom

Joan_BaezLange vor Patti Smith, Nina Hagen und Courtney Love, sogar noch vor Janis Joplin, Nico und Grace Slick war Joan Baez schon da und sang mit ihrer glockenhellen Stimme alte Folk- und Bluessongs. Sie stand damals am Beginn einer emanzipatorischen Entwicklung in der Musikbranche, die eigentlich erst richtig in den 70ern mit New Wave und Punk losging. Doch Joan Baez holte schon eine Dekade zuvor den jungen, verschüchterten Bob Dylan auf die Bühne, sie setzte sich vehement gegen Rassismus, Atomwaffen und den Krieg in Vietnam ein und verkaufte nebenbei Millionen von Platten.
Mit ihrer Musik verhalf sie politischem Unmut, Gehör zu finden, und ihre Popularität verstand sie stets als Mittel zum Zweck. Heute, mit 67 Jahren, ist die Grande Dame des Protestsongs etwas zur Ruhe gekommen. Sie lebt zurückgezogen bei ihrer greisen Mutter und hat nach einer langwierigen Therapie endlich die Angstzustände bezwungen, die sie über ihre gesamte Karriere hinweg begleiteten. Der globale Klimawandel beschäftigt sie dennoch genauso wie die gesellschaftlichen Probleme in den USA und die politische Verheißung Barack Obama. Themen, die auch auf ihrem neuesten Album Day After Tomorrow Eingang finden. Dafür wählte sie neben Tom Waits’ titelgebender Komposition vor allem Lieder junger Songwriterinnen wie Thea Gilmore und Patty Griffin sowie drei Songs von Steve Earle, der das Album auch produziert hat. Eigene Songs hat Joan Baez nicht beigesteuert, zum Schreiben fehlt ihr die Zeit und die Kraft. Umso kraftvoller singt sie die Texte anderer.

Text:
Jacek Slaski

Verlässlich gut 2

Joan Baez
Tempodrom, Di 7.10., 20 Uhr,
VVK: ab 46,65Ђ
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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