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Joanna Newsom: Divers

Joanna Newsom: DiversWieder sind fünf Jahre seit Joanna Newsoms letztem Album verstrichen. 2010 kehrte sie aus ihrem Sabbatical mit dem fast zweistündigen Album „Have One On Me“ zurück, einer geradezu maßlosen Materialsammlung für eine Musik, die trotz unüberhörbarer Vorliebe für Ornamente und verschwenderische Kompositionen eigentlich eine scheue Intimität ausstrahlt.
Newsoms viertes Album „Divers“ ist nun ein Schritt zurück vom ausufernden Hedonismus, es gibt dem verständlichen Impuls nach, auf stürmische Zeiten mit einem kontrollierten Exzess zu antworten. Mit knapp 50 Minuten ist „Divers“ deutlich konzentrierter als sein Vorgänger – was auch bedeutet, dass es ein dichteres Album geworden ist, denn es sprudelt noch immer über vor sublimen Ideen und eleganten Wendungen zwischen sinfonischem Kammerpop, Folk und moderner Klassik. Kaum einer zeitgenössischen Künstlerin gelingt es wie Newsom, die Komplexität ihrer Arrangements, die Stimmungswechsel und Tempoverschiebungen so mühelos und leichtfüßig klingen zu lassen. Man hört keinen ?Moment, dass sie mit drei Komponisten – Nico Muhly, Ryan Francesconi und Dave Longstreth  – gearbeitet hat: Die elf Stücke scheinen einem stream of consciousness zu folgen, Bildmotive und musikalische Themen variierend.
Phänomenal, wie das Stück „Goose Eggs“ die barocken Klänge eines Spinetts mit einer offen gestimmten Country-Slide-Gitarre verbindet. „Divers“ ist in jeder Hinsicht aus der Zeit gefallen. Newsom singt mal theatralisch (ihre expressive Stimme dringt wieder in schmerzhafte Tonlagen vor), mal auf sich selbst zurückgeworfen, mädchenhaft naiv und unglaublich souverän, wenn sie Bezugspunkte ihrer Musik (Joni Mitchell etwa, wie Newsom eine komplette Singer-Songwriterin) hinter sich lässt.

Text: Andreas Busche

Joanna Newsom, Divers (Drag City / Rough Trade)

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