Konzerte & Party

Joanna Newsom: „Have One On Me“

Joanna Newsom: Befragt man Joanna Newsom zu ihrer Schulzeit, erin­nert sie sich an einen  Spitznamen: „the one new to the world“, die „Neue hier auf Erden“. Eine gewisse welt­ent­­rückte Aura begleitet sie seither auch in der Musikwelt; und Newsom füllt ihr Selbstbild mit Wonne aus. Die Harfe im Zentrum eines Konzeptwerks über eine versunkene Stadt? Komponiert aus bloß fünf Songs а zehn Minuten; randvoll mit verästelten Melodien, aber doch unmöglich, auch nur eine davon zu erinnern? Schwer kopierbar auch Newsoms ei­gen­tüm­li­cher Gesangston dazu: zwischen Kobold und Mädchen tänzelnd.
Gesanglich hat Newsom seit ihrem großen Album „Ys“ offenbar einen erstaunlichen Reifeprozess durchlaufen. Fraulicher, sinnlicher klingt die Stimme der 28-Jährigen über weite Strecken ihres neuen, mehr als zwei Stunden langen Song­reigens.
„Have One On Me“ ist trotz seines gargantuanischen Aus­maßes viel zugänglicher. Einen eng geschnürten roten Faden gibt diesmal nicht. Stattdessen lässt die Songschreiberin die Leine ihrer Ideenfülle locker, lotet bishe­rige Facetten aus und fügt neue hinzu. Es gibt die Sequenz puristischer Balladen mit mittelalterlichen Harmonien, in denen außer Newsoms hell ausgeleuchteter Stimme nur die Arpeggien der Harfe zu hören sind. In Songs wie „Occident“ rückt das Klavier an zentrale Pos­ten und verleiht der Atmosphäre etwas Chansonhaftes. „Baby Birch“ verwandelt sich auf halber Strecke zum Blues mit erdig trabendem Rhythmus und verzerrten Gitarren-Einwürfen. In „Good Intentions Paving Company“ schließ­lich überrascht Newsom mit klassischer Soul-Modulation zur Hammondorgel. „I only want for you to pull over, and hold me / till I can’t remember my own name.“
Näher dran an dem, was man einen Lovesong nennt,  war Joanna Newsom noch nie. Auch dies eine überraschende Wendung nach der dunklen Vergänglichkeit von „Ys“. Die Frage, ob sie sich nicht vielleicht hätte kürzer fassen sollen, wirkt da kleinlich.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Herausragend

Joanna Newsom, Have One On Me (Drag City/Rough Trade)

Wegen der großen Nachfrage ist das Konzert von Joanna Newsom in Berlin am Montag, den 17.05.2010 von der Passionskirche in den Admiralspalast verlegt worden. Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit.

Konzerte, die auch verschoben sind oder ausfallen: Absagen und Umzüge 

Mehr über Cookies erfahren