Konzerte & Party

Joe Henry im Quasimodo

Joe Henry

Sein Portfolio ist beeindruckend: Solomon Burke, Mary Gauthier, Bonnie Raitt, Hugh Laurie, Mose Allison, Aimee Mann, Allen Toussaint, Me’Shell Ndegйocello – bis zu fünf Alben pro Jahr betreut er als Produzent und die meisten entstehen im Keller seines Heimstudios im Garfield House, Pasadena. Stress bleibt vor der Tür. Und so sehr sich der Mann mit dem Wuschelschopf ins Oeuvre seiner Klienten versenkt, etwas bleibt immer für seine eigenen Songs hängen. Ungefähr im Abstand von zwei Jahren erscheinen seine eigenen Alben, jetzt Nummer 13 „Invisible Hour“. Ein Titel, der gut auf seine Arbeitsweise zutrifft, denn unmerklich wird unser Leben, während wir es leben, bestimmt von Dingen, die wir vielleicht im Nachhinein erkennen, selten aber im Augenblick. Nimm die Liebe, sie greift nach uns und lenkt den Weg. Oder wie Mose Allison es sagt: Sie verändert deine Molekularstruktur. Wann immer Songwriter sagen, ein Album thematisiere die Ehe, dann bedeutet das ein Trennungsalbum. Joe Henry ist seit 27 Jahren mit Melanie Ciccone verheiratet, Schwester von Madonna, und hat sich ganz im Gegenteil der Kraft, aber auch dem bleibenden Geheimnis einer tiefen Verbindung gewidmet. Dem Sichspiegeln im anderen, der Erkenntnis, dass wir nicht sehen, wie die Welt ist, sondern wie wir sind. Kleine gospelhafte Momente steigen aus den Kellerräumen auf, keine niedergeschriebenen Gesangsparts diktieren den Song, sondern die Gruppe als Wesen, in dem der Einzelne den dringenden Wunsch verspürt, in die Harmonien einzustimmen. Fast wie beim Sacred Harp Singing. Sein Verständnis von Musik hat sich mit jedem Jahr verfeinert, nicht Stile und Genres zählen, sondern der Song. Ihm zur Vollendung zu verhelfen, ist seine Leidenschaft, Colum ?McCann, irischer Autor in New York, steuert ein paar Verse bei und hat ihn selber in sein Projekt Narrative4 gelockt, in dem Jugendliche erzählen und zuhören lernen. Levon Henry, mit Anfang 20 Joes ältester Sohn, wird ihn begleiten, wenn er nach Berlin kommt.

Text: Christine Heise

Foto: Lauren Dukoff 

Joe Henry, ?Quasimodo, So 1.6., 22 Uhr, ?VVK: 18 Euro zzgl. Gebühr

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