Konzerte & Party

John Grant spielt im Babylon Mitte

JohnGrantDa waren einige Leute ganz schön erstaunt, als sie John Grants neues Album „Pale Green Ghosts“ gehört hatten. Man hatte sich ja gerade an seinen Stil gewöhnt, an die sanfte Stimme und die gefühlvolle Musik, die sich an den Siebzigern und da besonders an den Carpenters oder an Glen Campbell orientiert. Grant hätte es sich bequem machen und mehr in dieser Art aufnehmen können. Doch er hat lieber einiges umgekrempelt. Unter Aufsicht von Biggi Veira von der isländischen Band Gus Gus lässt Grant jetzt elektronische Klänge in seine Songs einfließen. Manchmal unterstützen sie die Atmosphäre im Hintergrund, aber oft genug spielen Techno-Beats, düstere Dunkelkammerlaute oder dem Synthie-Pop entlehnte Akkorde auch eine tragende Rolle.

Eigentlich sind Fusionen in diesen Zeiten kaum noch Grenzen gesetzt. Kritiker murren dennoch wegen der Zusammenführung zweier Welten, die man lieber getrennt sieht. Grant werden diese Meinungen egal sein. Er hat längst gelernt, wie man sich unerschrocken durchs Leben bewegt. Als Schwuler hatte er es im amerikanischen Bundesstaat Colorado, in dem er aufgewachsen ist, von Anfang an nicht leicht. Das Scheitern seiner früheren Band The Czars machte Grant zu schaffen. Er bekämpfte den Schmerz mit Drogen und Alkohol. Er kämpfte mit Depressionen. Inzwischen ist er nicht mehr gewillt, alles in sich hineinzufressen. Er geht offen mit seinen Problemen um und singt davon, dass er HIV-positiv ist. Grant präsentiert sich als Person, die nichts mehr zu verlieren hat und leistet sich dennoch keine Anflüge von Wut oder Aggression

Text: Thomas Weiland
Foto: Hordur Sveinsson
tip-Bewertung: Verlässlich gut


John Grant

Babylon, Di 9.4., 20 Uhr

 

Übersichtsseite Musik und Party in Berlin

 

 

Mehr über Cookies erfahren