Konzerte & Party

Johnossi im Huxleys

Johnossi

Die Indie-Kids bedienen sie schon lange nicht mehr. Mit „Man Must Dance“ und „Execution Song“ schmissen Johnossi 2006 zwar zwei der überschwänglichsten und abfeierfreudigsten Vertreter dieses Genres in die gierige Partymeute. Seitdem ist das Duo aus Stockholm jedoch um sichtlich reifere Klänge bemüht und überlässt die unbeschwerten Indie-Clubtracks lieber den jüngeren schwedischen Kollegen. Mittlerweile Anfang 30, stehen bei John Engelbert und Ossi Bonde nun so erwachsene, tanzflächen-unverdächtige Themen wie Existenzangst auf der Agenda: Warum leben wir überhaupt? Wie hängt alles zusammen? Sind wir nur ein Produkt äußerer Umstände, auf die wir keinen Einfluss haben? Das Album „Mavericks“ (zu Deutsch: Eigenbrötler), das 2010 erschien, war für Engelbert eine Art therapeutische Sitzung in musikalischer Form, mit der er versuchte, sich aus seinem persönlichen Tief zu befreien. Die Platte geriet hörbar ruhiger, nachdenklicher und bisweilen auch sperriger als die Vorgänger. Da Johnossi schon immer eine energetische Live-Band waren, ist es dann aber die ausgiebige Tour mit 120 Shows und rund 375.000 Fans, die den Sänger und Gitarristen endgültig aus seiner Krise holt. Das im März dieses Jahres veröffentlichte vierte Album „Transitions“ zeigt einen geläuterten Engelbert mit neuem Bewusstsein und frischen musikalischen Ideen. Zu den rohen, kräftigen Gitarrenriffs, den markanten, eindringlichen Vocals und den gewohnt-wuchtigen Drums mischen sich nun hier und da Keyboards, Streicher und Synthies. Befürchtungen, das Album könnte dadurch poppig oder gar mainstreamig werden, sind jedoch unbegründet, auch wenn „Bull/Bear“ einen Tick zu sehr nach den Landsmännern Mando Diao klingt. Mit dem brachialen, vielphasigen „Tell The World“ oder dem erstklassigen Opener „Into The Wild“ aber, der mit seiner Stimmungsintensität und seiner Weitläufigkeit die perfekte Filmmusik abgeben würde, gleichen Johnossi diese Ausrutscher locker wieder aus.

Text: Henrike Möller

Foto: Universal Music

Johnossi, Huxleys, Sa 27.4.,21 Uhr, ausverkauft

Mehr über Cookies erfahren