Konzerte & Party

Jonathan Richman am 25.03. im Festsaal Kreuzberg

In ConcertMenschen, die sich über Jonathan Richman auf dem Laufenden halten wollen, hatten es lang schwer. Der Songschreiber mit den feinen Gesichtszügen hat keine eigene Website; Fanpost erledigte er grundsätzlich per Post. Mittlerweile ist Richman 57. Mit der Website wird es wohl nichts mehr, immerhin hat er ein Profil bei MySpace angelegt. Vielleicht hätten viele sonst gar nicht mitbekommen, dass es ein neues, kaum beworbenes Album des notorischen Leisetreters gibt. Auf „Because Her Beauty Is Raw And Wild“ bleibt Richman seinem Prin­zip des sonnigen Minimalis­mus treu, dem er sich seit seinem Abschied von Punkrock 1974 verschrieben hat. „Ich denke, jede Band ist scheiße, wenn sie Kin­der­ohren weh tut“, hat er seine Vorliebe fürs Akustische mal kommentiert. Dazu passen seine Texte: Die sind so undramatisch und klar, dass sie auch auf Kinderplatten gut aufgehoben wären – egal, ob Richman das Vorzügliche oder Abgründige des Lebens besingt. Auch auf dem neuen Album greift der Wahlkalifonier ein paar seiner Stammthemen auf: die Ekstase der Liebe, das Lob an große Maler, strenge Körperaromen. Eine kleine Hymne für den Verzicht auf Antidepressiva findet sich auch („When We Refuse To Suffer“). Hauptthema ist aber, stärker als früher, das Älterwerden und der Tod. „Time Has Been Going By So Fast“, heißt ein sonniger Schrammler – und klingt dabei weniger bedrückt als aufrichtig erstaunt. In leichten Dur-Akkorden zupft Richman schließlich ein Abschiedslied an seine Mutter. Nur wenige Sätze braucht er, um ein starkes Szenario am Sterbebett im Altenheim zu zeichnen. Ein bisschen erinnert das an Skizzen von Van Gogh, Picasso und Co: jenen alten Meistern, vor denen Richman sich schon so oft verbeugt hat.

Text: Ulrike Rechel


Jonathan Richman
Festsaal Kreuzberg, Mi 25.3., 20 Uhr, VVK: 16 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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