Konzerte & Party

Jonathan Wilson: „Gentle Spirit“

jonathan_wilson-gentle_spiritDer Laurel Canyon, ein Tal in den Hügeln Hollywoods, gehört zu den Fixpunkten in der Mythologie des Rock’n’Roll. Vor 40 Jahren trafen sich dort Musiker, um zu reden, zu proben und miteinander zu spielen. Es waren Joni Mitchell, Crosby, Stills & Nash, James Taylor oder Carole King, echte Granden. Heute gibt es an gleicher Stelle wieder solche Treffen. Gastgeber ist Jonathan Wilson, ein Südstaatler, der seit sechs Jahren im Canyon lebt und in seinem Haus allerlei analoges Musikequipment geparkt hat. Gäste sind Chris Robinson von den Black Crowes, Gary Louris von The Jayhawks, Andy Cabic von Vetiver oder Jenny Lewis von Rilo Kiley. Viele von ihnen sind auch auf „Gentle Spirit“ (Bella Union/Universal) zu hören, dem ersten Album von Wilson. Obwohl das nicht ganz korrekt ist: Vor vier Jahren stand der Multiinstrumentalist schon einmal in den Startlöchern, doch das fertige Werk „Frankie Ray“ ist dann aus unerfindlichen Gründen nie offiziell erschienen.

Es fällt auf, dass Wilson sich Zeit nimmt. Die mögliche CD-Spielzeit von 80 Minuten nutzt er fast voll aus. Songs, die kürzer als sechs Minuten sind, gibt es nur wenige. Der 34-Jährige sucht Nähe zu Country, Folk und Rock. „Can We Really Party?“ beginnt schwungvoll und melodisch, geht dann in eine längere Phase des Mäandrierens über, das einprägsame Gitarrenriff und die watteweiche Produktion machen aus „Desert Raven“ ein Musterbeispiel fürs Softrock-Lehrbuch. Etwas energischer und psychedelischer hören sich dann die Version von Gordon Lightfoots „The Way I Feel“ und „Woe Is Me“ an – Wilson weiß, was Gram Parsons mit „kosmischer amerikanischer Musik“ gemeint hatte. Auch die auf David Crosbys Album „If I Could Only Remember My Name“ wahrnehmbare Bewunderung für Kalifornien, seine Natur und Musik, ist ein Anhaltspunkt. Bei Wilson heißt es „Magic Everywhere“. Das trifft es in jeder Hinsicht. 

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

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