Konzerte & Party

Josh T. Pearson im Comet Club

Josh T. Pearson

Nach Berlin kam er 2005 wegen eines Bartwettbewerbs, den er jedoch verlor, denn sein Waldmenschenlook wurde von den gezwirbelten Machotrophäen der Alpenraumbewohner schlicht hinfort gefegt. Überhaupt weiß man nicht genau, wie ernst er es eigentlich meint. Als Gesprächspartner unterhaltsam, als Songwriter eine Herausforderung. Der Sohn eines Predigers stammt aus Texas, und sein unvermeidbarer Drawl wechselt zwischen bissigen Scherzen und abgründiger Melancholie. Vor zehn Jahren hieß seine Band Lift To Experience, verband apokalyptisch-biblische Motive mit musikalischem Exorzismus, ähnlich der früheren Band von Nick Cave, The Birthday Party. „Mein Vater predigt das Evangelium, und ich mache die Musik des Teufels“, sagte er damals. Heute, nach viereinhalbjähriger Eremitage in der alten Heimat, ist Josh T. Pearson zurück in Europa, wechselt zwischen Paris und Berlin, wo er im vergangenen Jahr sein Solodebüt einspielte. „Last Of The Country Gentlemen“ ist ein Album voller Bekenntnisse, unverblümt und schonungslos, eine Litanei aus Schuld und Sühne, Scham und Verzweiflung. Und doch sieht er Religion eher als Werkzeug denn als Überzeugung, als ein Instrument, um zu schreiben, und damit pflegt er einen lockeren Umgang, der in Deutschland nicht immer verstanden wird. Die Tiefe aber, die Josh T. Pearson mit seinen meditativen, spannungsreichen, oft zehnminütigen Songs erreicht, wenn er etwa von Schuldgefühlen während eines Liebesakts singt, die ist kathartisch.

Text: Christine Heise

Josh T. Pearson, Comet Club, Mo 4.4., 21 Uhr, VVK: 12 Euro

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