Konzerte & Party

Joy Wellboys im Lido

Joy Wellboy

Wie geht das? Musik komponieren, die zeitgleich warm und unterkühlt, emotional und steril, schwermütig und luftig-leicht klingt? Es sind genau diese Kontraste, die Joy Wellboy so interessant machen. Die Songs des belgischen Duos haben ihre ganz eigene Ästhetik; eine, die Gegensätze überwindet und je nach Zustand des Hörers eine unterschiedliche Farbe annimmt. Dementsprechend ortsflexibel ist der Sound von Joy Wellboy. Er funktioniert im abgeranzten Indie-Schuppen genauso gut wie im gemütlichen Cafй oder in der majestätischen Halle eines Electro-Clubs im Berghain-Ausmaß. Trotz allem entfaltet sich die neue Platte an einem Ort am besten: und zwar im Berliner Ortsteil Wedding. Dort ist das Album nämlich entstanden. Im Appartement von Joy Adegoke und Wim Janssens, die nicht nur in musikalischer, sondern auch in zwischenmenschlicher Sicht Partner sind. Während der Aufnahmen seien die beiden ständig pleite gewesen, gab die Band gegenüber dem englischen Magazin „Exberliner“ zu. Aber in Wedding sei das ja nichts Ungewöhnliches. Einer der Gründe, warum sie den Ortsteil liebten. Hier müsse man sich nicht verstellen. Authentisch, ehrlich, rau – das sind auch Attribute, die auf Joy Wellboy zutreffen. Vor allem der Gesang kommt herrlich ungezähmt und unprätentiös daher. Er verleiht dem wavigen, schwermütig tänzelnden Dark-Synthie-Pop seine spezielle Note.

Text: Henrike Möller

Joy Wellboy, Lido, Cuvrystr. 7, Kreuzberg, Mi 7.10., 21 Uhr, VVK: 15 Euro zzgl. Gebühr

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