Konzerte & Party

Julia A. Noack im Privatclub

Julia A. Noack

„Orte sind enorm wichtig“, sagt Julia A. Noack zu ihrem Leben und damit auch zu ihrem Werdegang als Sängerin, Gitarristin und Songschreiberin. „Vielleicht sind aber noch entscheidender die Ortswechsel, die immer neue Wege geöffnet haben …“ Stationen, Veränderungen, Entwicklungen.
Von Mönchengladbach waren ihre Eltern mit Julia als Kind aufs Land gezogen, nahe der holländischen Grenze. „Das hab ich nicht gemocht. Ich war nie ein Naturmensch, hatte Angst vorm Wald und vor den Tieren, und mich stachen immer alle Insekten. Ich war einfach nicht der Typ zum Höhlenbauen.“
Viel mehr vergrub sie sich dann in der Plattensammlung ihres Vaters: AC/DC, Black Sabbath, Janis Joplin – aber vor allem faszinierte sie Bob Dylan, dessen Stimme sie tief berührte und dessen Texte sie mit der gleichen Leidenschaft las wie die Literatur von John Steinbeck. „Das hat mich amerikanisiert. Mit 15 wollte ich dann unbedingt das ‚Land von Bob Dylan‘ kennenlernen“, sagt sie lachend.
Für ein Schuljahr ging sie nach Lake Placid, besuchte ein Internat, wo der Theaterlehrer ihre musikalischen Ambitionen förderte und sie irgendwann auch einen Talentwettbewerb gewann. Mit Dylans „Don’t Think Twice“. „In den USA hab ich dann auch meinen ersten eigenen Song geschrieben!“
Zurück in Deutschland, nach weiteren unbeschwerten Zeiten als Sängerin einer Schülerband, machte sie Abitur. Weitere Wechsel, weitere Orte, neue Städte: Studium in Münster, Boheme-Leben in Paris, weitere eigene Songs und Auftritte in kleinen Musikschuppen. „Es war ein Gefühl von: Mir gehört die Welt. Sonst hatte ich keine großen Zukunftspläne. Frei und wild wollte ich sein“, sagt sie lachend und fügt gleich hinzu: „Später wird man kritischer!“ Nächste Station: Köln – Abschluss eines Dolmetscherstudiums. „Aber mit dem Umzug nach Berlin im Jahr 2006 ging es dann erst richtig los. Da habe ich eine ganz bewusste Entscheidung getroffen: Jetzt mache ich nur noch Musik! Denn so wenig, wie man gleichzeitig Arzt und Architekt sein kann, kann man Musikerin und Dolmetscherin sein.“
Julia A. NoackJulia A. Noack machte Ernst und veröffentlichte 2007 ihr exquisites Debütalbum: „Piles & Pieces“, aufgenommen in Berlin, Köln, Düsseldorf und Kanada, strahlt im Charme von Unbefangenheit, von feinen Melodien, von einer gelungenen Melange aus Folk und Rock. Und von einer gefühlsstarken Altstimme, die ein wenig an Carla Torgerson von den Walkabouts erinnert und der in ihrem betörenden Ausdruck nichts anhaftet von der sonst so häufig bei deutschen Pop-Sängerinnen zu hörenden operettenhaften Künstlichkeit. 2010 folgte das Album „69.9“. Die Songs sind poetisch, eindringlich, rätselhaft. Über die Inhalte ihrer (englischen) Texte spricht Julia A. Noack nicht. „Ein Song steht doch für sich, wie jedes andere Kunstwerk auch, und muss nicht erklärt werden. Vielleicht sind meine Songs persönlich, aber sie sind deshalb nicht unbedingt auch immer autobiografisch.“
In der Biografie von Julia A. Noack spielt inzwischen ein weiterer Ort eine enorm wichtige Rolle: Wien. Dort hat sie ihr drittes Album „The Feast“ aufgenommen. Und ist dabei einen großen Schritt weitergegangen. „Ich habe die Stücke diesmal nicht mehr zur Akustikgitarre komponiert, um die sich dann eine Band schart. Sondern gemeinsam mit dem Produzenten Alexander Nefzger haben wir fette Sounds entwickelt, die auf meinen E-Gitarren-Loops basieren. Wir haben das verfremdet, elektronische Sounds umgedreht, die Songs gemeinsam konstruiert. Der Kreativität waren dabei keine Grenzen gesetzt. Das war super!“ Und sie haben auch viel am Gesang gearbeitet, mit diesen aufregenden Kieksern in die Kopfstimme, die stellenweise Assoziationen wecken an Dolores O’Riordan von den Cranberries. Doch trotz aller klanglichen und kompositorischen Experimente und neuer Farbtupfer in der Stimme, hört man immer noch deutlich Julias Faible für üppige Melodien und die Folk-Wurzeln, denen all das entwachsen ist. Sicher wird es interessant, wie sich die neuen Klänge beim Record-Release-Konzert von der Bühne anhören werden. „Eigentlich bräuchte ich dazu zwei Schlagzeuger, mehrere Gitarristen, Keyboarder, Bläser und einen Chor.“ Stattdessen wird sie nur mit einem Drummer, einem Bassisten und einer Bassistin auftreten, was wiederum einen besonderen neuen Reiz haben wird. Doch gedanklich ist Julia A. Noack längst schon beim nächsten Schritt, am nächsten Ort, beim nächsten Album …

Text: H.P. Daniels

Foto: Kai von Kröcher

Julia A. Noack, ?Privatclub, Mi 11.9., 20 Uhr, ?VVK: 10 Euro zzgl. Gebühr

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