Konzerte & Party

Junip im Heimathafen Neukölln

Junip

Ob Josй Gonzбlez seine Solokarriere eines Tages wieder aufnehmen wird, ist fraglich. Zu gut läuft es derzeit mit seiner Band Junip. Und auch musikalisch gesehen kann man sich nur schwer vorstellen, dass der Schwede mit den argentinischen Wurzeln den eingeschlagenen Weg Richtung Shoegaze, Krautrock und African Pop jemals wieder verlassen wird, um zu seinen Folk-Singer-Songwriter-Wurzeln zurückzukehren. Zumal die Kombination aus den drei soeben genannten Genres eben auch viel außergewöhnlicher ist.
Die afrikanischen Gitarrenklänge, Rhythmen und Perkussionsinstrumente stoßen allerdings erst auf Junips zweitem Album hinzu. Auf dem Debüt „Fields“ bestimmen psychedelische Soundlandschaften das Geschehen. Die melancholische Grundstimmung wird dabei immer wieder von freudigen Krautrock-Einsätzen oder hellen Sixties-Pop-Einflüssen leicht angehoben. Vor allem Gonzбlez’ warme, an Simon & Garfunkel erinnernde Stimme versprüht ein Gefühl von Geborgenheit. Sie beruhigt und tröstet, wodurch es Junip gelingt, ihre Hörer in einen beflügelnden Gedankenrausch zu befördern. Das straff gestrickte Netz aus Akustik-Gitarre, erdigen Drums und mal sanft wehenden, mal wirbelnden Synthies ist der perfekte Untergrund für eine temporäre Weltflucht. Auf dem Nachfolger „Junip“ findet diese Einladung zum Treiben und Loslassen auf andere Weise statt. Zum einen über jazzige, improvisatorisch anmutende Instrumental-Parts, zum anderen über eine generelle Auflockerung der einzelnen musikalischen Fäden. Leichtigkeit, Offenheit, Weitläufigkeit – auch das ist folglich eine Strategie, die zu einem Moment des Abhebens führen kann.

Text: Henrike Möller

Foto: Jon Bergman

Junip, Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Straße 141, Neukölln, ?Mi 20.8., 21 Uhr, VVK: 24 Euro zzgl. Gebühr

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