Konzerte & Party

Just like Stunde Null

Hagen LiebingHui, die Trendforscher der „New York Times“ und vom „Rolling Stone“ sind sich einig: Berlin ist nicht mehr hip, der Hype ist vorbei! Perdu die Nachwende-Exotik, der diskrete Charme der Stunde Null. Höhepunkt der Abnutzung: Hier sähe es ja mancherorts schon genauso aus wie in New York!
Wirklich? Dann frage ich mich doch, warum vor meinem Fenster immer noch täglich Rollkoffer übers Pflaster rattern und warum die Schlangen vor den Clubs nach wie vor länger werden und das Sprachgewirr der Wartenden immer noch vielfältiger. Auch viele derer, die mir in der Redaktion täglich ihre Platten oder Konzerte ans Herz legen, sprechen ausschließlich englisch. Amerikaner und Australier erfüllen sich den Traum von der eigenen Bar in Friedrichshain und servieren mir in US-Dekor „Miller“ oder „Coors“ – wenn ich denn imstande bin, eine Bestellung auf Englisch zu machen.
Liebe New Yorker Trendforscher, wir würden gerne etwas für Euch tun. Aber wir Berliner selbst sind nun mal nicht hip. Wir leben auch nicht in dauerhaftem Alarmzustand. Wir arbeiten hier, gehen zur Schule, wir kaufen ein, waschen unsere Wäsche und erfreuen uns des bunten Treibens, das uns aus allen Ecken der Welt erreicht. Wenn diese Stadt aber auch schön exotisch für den neu ankommenden Easyjetset bleiben soll, dann wäre es einfach mal nützlich, wenn die hippen Expatriots nach all den Jahren Berlin-Exil endlich einmal ihre Trägheit überwinden und anfangen, die Sprache der Eingeborenen zu lernen, vielleicht ja sogar ein paar lokale Riten anzunehmen. Dann wirkt für New Yorker Neuankömmlinge sicher so manches auch nicht mehr so schrecklich New-York-mäßig.

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