Konzerte & Party

Kammerflimmern

Als Manfred Eicher Ende der 60er Jahre in München das ECM Label aus der Taufe hob, konnte er vermutlich nicht ahnen, dass er irgendwann auf eine vier Jahrzehnte andauernde Erfolgsgeschichte zurückblicken wird und außerdem einen ganz eigenen Sound definiert. Anfangs konzentrierte sich der Jazzenthusiast noch auf US-Stars wie Chick Corea, Pat Metheny und Keith Jarrett. Mit letzterem konnte er übrigens seinen größten Coup landen, Jarretts „Köln Concert“ (1975) ging mehr als drei Millionen Mal über den Ladentisch und ist damit bis heute die meistverkaufte Aufnahme mit improvisierter Musik aller Zeiten. Schon zu Beginn der 80er Jahre öffnete Eicher aber das musikalische Spektrum von ECM und veröffentlichte neben Jazz auch zeitgenössische Komponisten der Neuen Musik. Die wichtigsten Interpreten der europäischen Szene von Arvo Pärt bis Heiner Goebbels fanden bei ihm eine neue Heimat und das Spiel mit den Genres begann.

Labelkollegen begeisterten sich plötzlich neben dem Jazz für neue Spielarten und die Komponisten entdeckten die Macht der Improvisation. Der norwegische Saxophonist Jan Garbarek ergründete die Folklore seiner Heimat und verarbeitete sie zu kristallklaren, zeitlosen Arrangements, das renommierte Hillard Ensemble sorgte hingegen mit ihren Einspielungen von englischer Renaissancemusik für Aufsehen. Es gab keine Schranken mehr: Klassik, Jazz und Folk wurden Eins, eine innovative Form europäischer Kammermusik entstand. Wie kein anderer engagierte sich Eicher für eine eigenständige, technisch brillante und dabei ungezwungene Verbindung von europäischer Tradition und der improvisatorischen Herangehensweise des Jazz.

Beim „Shared Sounds“ Festival wird dieser Vision Rechnung getragen. Musiker aus Norwegen, Griechenland, Italien, der Schweiz, Deutschland und Frankreich setzen sich über musikalische Genres hinweg. Sie kombinieren Minimal Music mit Funk, Jazz mit Folk und Neuer Musik. Diese Integration zeitlich und stilistisch weit auseinander liegender Ausdrucksformen ist die Stärke der musikalischen Grenzgänger Garth Knox, Carolin Widmann, Nik Bärtsch’s Ronin, Trygve Seim, Frode Haltli, Savina Yannatou (Foto) & Primavera en Salonico, Gianluigi Trovesi & Gianni Coscia oder des Trio Mediжval.

Text: Jacek Slaski

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