Landpartie

Kammeroper Schloss Rheinsberg

Jenseits der Hecke: Frank Matthus regiert seit drei Jahren die Kammeroper Schloss Rheinsberg – in diesem Jahr mit Händels Alcina

Rheinsberger Schloss
Foto: Kammeroper/ Henry Mundt

Ich bin bekennender Provinzler“, sagt der neue Chef. Das ist zumindest mal deutlich. Die Kammeroper Schloss Rheinsberg war 25 Jahre lang ein inszenatorisch hausbackenes, im Ruppiner Land dunstendes Sommerfestival mit vorangehendem Sänger-Wettbewerb. Hier machten Annette Dasch, Olga Peretyatko und Camilla Tilling erste Lampenfieber-Erfahrungen. Im wiedereröffneten Schlosstheater sowie im Heckentheater, in Remisen, Trockendocks und Uferbehelfen, wurde vor allem eines gesungen: das Loblied des ortsansässigen Sonnenkönigs, also des in Rheinsberg aufgewachsenen Komponisten Siegfried Matthus. Der wollte irgendwann in Pension gehen – und brachte das Kunststück fertig, gegen alle politischen Widerstände den eigenen Sohn zum Nachfolger zu küren.

Dabei ist Frank Matthus (52) eher nach der Mutter geraten. „Als sie mit mir schwanger war, sang sie im Theater gerade die ‚Csardasfürstin’ von Emmerich Kálmán“, so Frank Matthus. Also driftete er ab ins Schauspiel. Am Berliner Ensemble spielte er in den frühen 1990ern den Schweizer Kas in der alten „Mutter Courage“ (an der Seite von Gisela May). Übers Fernsehen kam er ans Brandenburger Theater. Erst in Gera/Altenburg schloss er die rebellische Phase ab und wechselte zur Opernregie. In Rheinsberg, als zu Macht und Ehren gekommener Kronprinz, setzt er jetzt für die Wettbewerbssieger (für deren Auswahl nach wie vor seine Mutter mitzuständig ist) „Tosca“ an – im Heckentheater. Ein Werk, das schon für langjährige Berufssänger einen Anschlag auf ihr Leben bedeutet. „Puccini can kill a voice“, hat Maria Callas gesagt. Um gleichfalls in die Falle zu tappen.
Mindestens 60Prozent der Besucher, wahrscheinlich aber viel mehr, kommen aus Berlin. „Die Berliner Häuser dürfen scheitern, wir dürfen das nicht“, beschreibt Matthus (Sohn) das Profil des Festivals im dritten Jahr seiner Regentschaft. Mehr Uraufführungen und bessere Dirigenten hat er nach Rheinsberg geholt. „Geil“ soll es klingen, so Matthus – und genießt den neuen Tonfall, an den sich die alten Mitarbeiter im Schatten des Wasserschlosses erst noch gewöhnen müssen.

„Wir können uns nicht ständig auf die Schönheit der Hecke berufen“, so Matthus über seine Entscheidung, bei der Freiluft-„Tosca“ die Sträucher zu verdecken. Drinnen setzt man dagegen auf nahrhafte Berlin-Ergänzungskost. Händels „Alcina“, dirigiert von Attilio Cremonesi und inszeniert von Isabel Ostermann, war in Berlin seit über zehn Jahren nicht zu sehen. Das Zauberinnen-Stück basiert auf Ariosts „Orlando furioso“ und ist eines von Händels besten Werken. Empfehlenswert ist, den Besuch nicht allzu knapp zu berechnen. Das rausgeputzte Rheinsberg gehört zu den wenigen Festival-Locations der Region, die auch ohne Musik super funktionieren.
Andere, ja die meisten Brandenburger Theatermacher, wohnen in Wirklichkeit in Berlin. Matthus nicht. „Weitab von Berlin habe ich als Kind bei den Großeltern die paradiesischsten Sommer verbracht! Nach Berlin fahre ich vor allem wegen des Flughafens.“ Das ist die richtige Einstellung! Der Unwiderstehlichkeit Brandenburgs liegt im Fluch auf Berlin. Einmal im Jahr sollte man es sich leisten.

Kammeroper Schloss Rheinsberg Fr 22.7., Sa 23.7., Di 26.7., Mi 27.7., Fr 29.7., Sa 30.7., 20 Uhr, Eintritt 30–48 €,
Karten-Tel. 033931 – 34 94 0

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