Gitarren-Krach

Karies

Stahlbad Fun: So hohlwangig wie Karies klingt keine andere Band in Deutschland

Was ist nur los mit den jungen Leuten? Anstatt polternd den Aufstand zu proben, so wie sich das gehört in den schönen Jahren des Sturm und Drangs, stimmen sie ihre Gitarren auf kalten Krach. Nennen sich Human Abfall (pfui), Der Ringer (grusel) oder eben: Karies (aua), leiden am Leben, schassen die Liebe. Wollen lieber Adern öffnen als Revolution spielen.
Hässlichkeit ist im deutschen Gitarrenrock das Programm der Stunde – und Karies aus Stuttgart treiben das Ätzpotenzial von Post-Punk und Noise-Rock auf die Spitze. So hohlwangig, so morbide klingt derzeit keine hiesige Band. Das Adorno-Zitat „Fun ist ein Stahlbad“ als Titel für ihre Debüt-EP haben sie sich mit unerbittlicher Grimmigkeit erspielt: Musikalische Bespaßung, das offenbart ihre kürzlich erschienene zweite Platte „Es geht sich aus“ stärker denn je, ist diesem Quartett ungefähr so zuwider wie dem alten Adorno der Jazz.
Ihre Songs sind eine Feier des Unbehagens und der Abscheu, die Texte schroffer Nihilismus, verpackt in nutzerunfreundliche Titel wie „Ostalb“. Diese Musik atmet keine wohlige Melancholie, sondern negiert – mit einer dem Techno abgelauschten Stoik – alles Schöne. Und vielleicht ist es ja das, was sie wollen, die jungen Leute: das Hässliche in der Welt nicht übertönen, sondern grell ausleuchten.

West Germany Skalitzer Str. 133, Kreuzberg, Mi 29.3., 21 Uhr, Eintritt 10 €

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