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Karl Bruckmaier: „The Story of Pop“

Karl Bruckmaier: The Story of PopÜber Pop lesen kann eine Strafe sein. Und wenn jemand den ganz großen Bogen schlägt, steht im Editorial nicht selten auch: „Eingereicht als Dissertation bei der Uni Blablabla“. Der langjährige Autor der „Süddeutschen Zeitung“, Hörspielregisseur und Radio-DJ Karl Bruckmaier ist davon weit entfernt. Er erzählt die Geschichte einer universalen Seelenrettung, eingefühlt und mit guten Geschichten belegt, angefangen mit der afrikanischen „Drum Or Die“-Urtrommel bis zu den E-Beats der Copy-&-Paste-Generation: Wie konnte es so weit kommen? Eh wir uns versehen, sitzen wir – Schock – mitten im Gestank aus Urin, Kot und Schweiß auf der krossatlantischen Galeere im Höllenschlund. Geraten hinein ins Trauma von Sklaverei und Pilgeraufbruch. Vorbei an Stimmen und Stilen, Sacred Harp, New Orleans, Dylan in Newport, „Teenage Kicks“, Cool Britannia, Post-68er-Deutsch-Pop und Gangnam Style. Der Autor stellt Fragen zur Rassen- und Klassenzugehörigkeit. Bruckmaier wagt die Recherche, tut es mit wild entschlossener Leidenschaft und Mut zum Widerspruch. Sein Sprach- und Kenntnisreichtum lädt zu einem rastlosen, fesselnden Lesespaß ein, aber: Ein bisschen Anstrengung muss sein (sagt er). Was nicht heißt, sich durch pop-diskurs-typische Arroganz und Deutungsprivilegien zu kämpfen, sondern Verbindungen und Empathie zu leisten. Am Ende outet der Autor seine Antriebswerte: „Politik, persönliche Integrität, Radikalität, Blues und Jazz und Country, Familiensinn, Liebe, das Streben nach Glück.“

Text: Christine Heise

Karl Bruckmaier: ?“The Story of Pop“, ?Murmann, 352 Seiten, 29,99 Euro

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