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Kate Bush: „50 Words For Snow“

Kate Bush: 50 Words For SnowDem ausklingenden Musikjahr hat Kate Bush ihren Stempel aufgedrückt. Zum einen ist die 53-jährige Britin die wichtigste Blaupause vieler junger Songschreiberinnen mit Lust am Exaltiert-Subjektiven. Und nun folgt, wenige Monate nach ihrem Album „Director’s Cut“ mit Neubearbeitungen alter Songs, auch schon das zehnte Studioalbum. Schnee zieht sich als Leitmotiv durch die parabelhafte Songreihe von „50 Words For Snow“, taucht in unterschiedlichen Aggregat- und Symbolstufen auf. In „Misty“ etwa bleibt nach der skurrilen Liebesgeschichte zwischen Frau und Schneemann nur eine Pfütze übrig, und die groovende Percussion samt exotisch getönter Chöre in „Wild Man“ evozieren das Gletschereis der Urzeit.
Das ist fraglos konzepthaft, wirkt diesmal aber keineswegs tüftlerisch. Dafür ist die Atmosphäre zu intim, mit einer Instrumentierung, die meist kammermusikalisch nahe beieinander klingt. Im warm ausgeleuchteten Zentrum nimmt man Bushs Stimme nach Art einer Nahaufnahme wahr samt schöner Spuren der Reifung und Zerbrechlichkeit wie im Stimmungsstück „Lake Tahoe“. Anrührend in seiner unangestrengten Entrücktheit ist „Snowflake“, das mit wiederkehrendem Klaviermotiv den tröstlichen Puls des Albums setzt. Bushs nachgedunkeltes Timbre verschmilzt hier mit dem glockenhellen Knabensopran ihres Sohnes Bertie: nicht die einzige lohnende Entdeckung im Laufe der 65 Minuten dauernden Winterreise. Ohne Längen kommt das Album allerdings nicht aus, und mit dem Cameo von Elton John weist es auch einen Stilbruch auf im ansonsten kohärent lodernden Strom.
Gegen Ende blitzt schließlich der Schalk auf: Gastrezitator Stephen Fry vollführt im Titelstück wörtlich, was der Titel verheißt: eine Aufzählung von Wörtern für Schnee mit Exemplaren wie „Spangladasha“, „Alberdune“ oder „Shimmerglisten“. Wärmeempfindlich sind sicher alle 50.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert

Kate Bush, 50 Words For Snow (EMI)

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