Konzerte & Party

Kate Tempest im Berghain

Kate Tempest

Manche Menschen hassen U-Bahn-Fahren, weil ihnen die Nähe zu anderen Menschen auf engstem Raum unbehaglich ist. Kate Tempest meidet das Reisen in Londons Subway manchmal ebenfalls. Dann wird es ihr schlicht zu viel, von all den Eindrücken bombardiert zu werden: von potenziellen Dramen, die sich in Gesichtern der Mitreisenden abzeichnen, Storys von Sehnsüchten und Scheitern. Wenn Tempest aber bewusst „auf Empfang“ ist, macht sie genau aus diesem Stoff ihre Londoner Großstadtballaden. Ein Dutzend davon füllte ihr grandioses Debütalbum „Everbody Down“, eine Erzählung um eine Handvoll verlorener Protagonisten. Begleitet von spartanischen Clubklängen blieb viel Raum für ihre glasklaren Wortkaskaden. Für ihr Debüt und einen ersten Erzählband wurde sie 2014 mit Anerkennung und Preisen überhäuft, viele hielten sie dabei für eine Newcomerin; dabei ist die 29-Jährige schon vergleichsweise lange aktiv. Seit dem Schulabbruch mit 16 schrieb sie erste, vom Wu-Tang Clan inspirierte HipHop-Stücke und fasste in Londons Open-Mic-Szene Fuß. Dabei formte sie ihre intensive Bühnen-Präsenz aus, die besonders bei der jungen Generation eine neue Lust auf Live-Auftritte und gesprochene Poesie weckt. Kein Wunder, dass die Britin allergisch auf leuchtende Smartphone-Displays im Publikum reagiert und ihren Fans schon mal entgegenschleudert: „This is real! This is happening!“ – ein Weckruf für die Selfie-Generation.

Text: Ulrike Rechel

Foto: India Cranks

Kate Tempest, Berghain, Am Wriezener Bahnhof, Friedrichshain, ?Di 21.4., 21 Uhr, ausverkauft

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